Social Media Habeck will seine Accounts bei Facebook und Twitter löschen

"Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert", meint Grünen-Politiker Habeck.

(Foto: dpa)
  • Er habe sich mehrmals "unbewusst auf die polemische Art von Twitter eingestellt". Der Grünen-Vorsitzende hatte auf Twitter mit seinen Aussagen mehrfach scharfe Kritik auf sich gezogen.
  • Nachdem er von dem Hackerangriff auf seine persönlichen Daten erfahren habe, sei seine erste Reaktion "eine Art Panik" gewesen.
Von Philipp Saul

Robert Habeck will in Zukunft auf Facebook und Twitter verzichten. Der Bundesvorsitzende der Grünen kündigte in einem Statement an, seine Accounts zu löschen. Er ziehe damit die Konsequenz aus dem Hackerangriff "auf die privatesten Daten meiner Familien, die via Twitter veröffentlich wurden" und aus eigenen Fehlern in der jüngeren Vergangenheit, die er mit Twitter in Verbindung bringt.

Der Grünen-Landesverband Thüringen hatte am Sonntag ein kurzes Video verbreitet, mit dem Habeck den Wahlkampf in dem Bundesland unterstützen wollte. Ein Satz zog dabei aber besondere Aufmerksamkeit auf sich und rief harsche Kritik hervor. Habeck sagte: "Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land." Diese Aussage interpretierten viele Menschen so, als sei Thüringen nach Habecks Auffassung momentan weder frei noch demokratisch.

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In seinem Statement gesteht Habeck den Satz als Fehler ein. Er habe Thüringen nicht absprechen wollen, weltoffen und demokratisch zu sein. "Aber ich hab es anders gesagt - 'wird', statt 'bleibt' ein kleines Wort, ein echter Fehler." Es ist nicht das erste Mal, dass Habecks Tweets für Ärger sorgen. Nach der für die Grünen sehr erfolgreichen Landtagswahl in Bayern hatte er geschrieben: "Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern."

Er frage sich, wie ihm ein solcher Fehler gleich zweimal passieren konnte, und komme "nach einer schlaflosen Nacht" zu dem Ergebnis, dass Twitter auf ihn abfärbe und er sich beide Male "unbewusst auf die polemische Art von Twitter eingestellt" habe. In keinem anderen Medium gebe es "so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze". Twitter bewirke etwas in ihm: "aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein - und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen". Offenbar sei er dagegen nicht immun.

"Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert", schreibt Habeck. In Sitzungen schaue er verstohlen auf sein Handy und nach Parteitagen oder Talkshows habe er "gierig" nachgeschaut, "wie die Twitter-Welt mich denn gefunden hat". Habeck nennt das eine "Schere im Kopf", wegen der man so rede, wie es das Medium wolle.

Weil seine privaten Daten maßgeblich über Facebook abgegriffen worden seien, lösche er sowohl den Twitter- als auch den Facebook-Account. Nachdem er von dem Hackerangriff erfahren habe, sei seine erste Reaktion "eine Art Panik" gewesen, berichtete er im ARD-"Morgenmagazin". Die gesamte persönliche Kommunikation mit seiner Familie sei plötzlich auf irgendwelchen rechten Seiten im Internet nachlesbar gewesen. "Das ist so, als ob einem die Liebesbriefe der letzten zehn Jahre geklaut werden und alle beugen sich darüber und sagen 'Na mal gucken, was er da alles noch so hat'."

Es könne zwar ein politischer Fehler sein, sich "der Reichweite und direkten Kommunikation mit doch ziemlich vielen Menschen" zu berauben, schreibt Habeck, es wäre aber ein größerer Fehler, den Schritt nicht zu gehen.

Unter Politikern rief der angekündigte Schritt Habecks ein unterschiedliches Echo hervor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schrieb auf Twitter, er respektiere Habecks Entscheidung, niemand müsse Social Media nutzen. Er gab allerdings zu bedenken: "Aber auch TV-Kameras & Mikrofone können #abfärben', wenn wir nicht aufpassen. Öffentliche Existenz heißt immer die Bereitschaft, der Versuchung zu widerstehen."

Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil zielte in seiner Reaktion darauf ab, dass es letztlich nicht aufs Medium ankomme. Wenn er bei Hausbesuchen oder auf Infoständen sei, bekomme er auch oft Kritik ab, schrieb er ebenfalls in dem Kurznachrichtendienst. "Trotzdem würde ich nie aufhören, an den Haustüren und Marktplätzen zu sein."

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Die frühere Grünen-Chefin Simone Peter appellierte daran, auf Social Media zu bleiben, auch wenn es manchmal schwer sei. Doch Solidarität und Unterstützung seien auch Teil von Social Media.

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur

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