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Extremismus:Messerattacke in der Wahlnacht

Ein womöglich islamistisch motivierter Anschlag auf einen 23-Jährigen in Stolberg könnte mit einer AfD-Wahlwerbung in Zusammenhang stehen. Darin war der Vater des Opfers zu sehen gewesen.

Auf dem Foto, das die AfD Stolberg Ende August auf ihrer Facebookseite postete, sind fünf Männer zu sehen. Sie sitzen um einen Gartentisch herum, zwei der Männer heben kleine Teegläser wie zum Gruß , Stolbergs AfD-Vorsitzender Hans Wolf streckt den Daumen hoch. Unter dem Bild steht der Satz: "Auch Deutsch-Türken wollen Veränderung!" Dazu hatte die rechtspopulistische Partei geschrieben: Man habe sich mit Deutsch-Türken in verschiedenen Stadtteilen Stolbergs unterhalten, auch diese wünschten sich "endlich eine Veränderung".

Die ermittelnde Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf glaubt, dass diese Afd-Kommunalwahlwerbung in Zusammenhang mit einem womöglich islamistisch motivierten Anschlag auf einen 23-jährigen Deutschen in Stolberg steht. Das Opfer ist der Sohn eines der türkischen Männer auf dem AfD-Wahlplakat.

Ein 21-jähriger Deutsch-Iraker soll in der Nacht von Sonntag auf Montag gegen 0.40 Uhr in Stolberg bei Aachen die Tür des langsam fahrenden Autos des 23-Jährigen geöffnet und auf den Fahrenden eingestochen haben. Vor oder während der Tat soll der Angreifer "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben. Der 23-Jährige wurde schwer am Arm verletzt und musste operiert werden.

Der Angreifer konnte zuerst flüchten, wurde jedoch noch in der Nacht festgenommen. Gegen ihn wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Die Ermittler hatten bereits am Sonntag von einem möglichen islamistischen Hintergrund gesprochen. Von der Generalstaatsanwaltschaft hieß es auch, dass der 21-jährige Angreifer bisher als sogenannter Prüffall beim Staatsschutz lief und er nach der Tat zum Gefährder hochgestuft wurde. Auch deshalb sei innerhalb der Düsseldorfer Behörde nun die Zentralstelle Terrorismusverfolgung zuständig.

Nach Angaben der AfD sei das Foto zufällig bei einer Wahlkampftour durch Stolberg entstanden; die Männer hätten ihr Einverständnis für die Veröffentlichung gegeben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa widerspricht der Vater des Opfers dieser Darstellung.

Der "Bild"-Zeitung zufolge soll bereits vor der Tat eine Drohung gegen die Männer, die neben Wolf auf dem Foto zu sehen waren, im Internet kursiert haben. Den vier Männern sei dabei vorgeworfen worden, eine antiislamische Partei unterstützt zu haben.

© SZ vom 15.09.2020 / jana

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