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Extremismus hinter Gittern:Informationen gegen schnelle Haftentlassung

Einer der Neonazis, die jetzt im Verdacht stehen, aus dem Gefängnis heraus ein Netzwerk aufbauen zu wollen, spielte bereits eine seltsame Rolle bei den NSU-Ermittlungen. Der 38-Jährige bot im Dezember 2011, kurz nach dem Ende des NSU, dem hessischen Verfassungsschutz an, "Informationen über diverse Netzwerke" zu beschaffen. Als Gegenleistung erbat er Unterstützung für eine schnelle Haftentlassung. Wenig später landete beim Thüringer LKA ein anonymes Schreiben, in dem behauptet wurde, der Mann sei einer der Drahtzieher der "ganzen Anschläge".

In einer Vernehmung erzählte der vielfach vorbestrafte Neonazi eine wilde Geschichte. Angeblich will er 2006 die beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Kassel vom Bahnhof abgeholt und mit ihnen eine Geburtstagsfeier besucht haben. Im selben Jahr hatte der NSU in Kassel den türkischstämmigen Betreiber eines Internet-Cafés ermordet.

Der Mann mit den angeblichen NSU-Kontakten behauptete, er sei auch mal in Zwickau gewesen und habe dort Mundlos und Böhnhardt getroffen. Ein Verwandter des Mannes lebte zeitweise in Zwickau. Dieser sowie weitere Zeugen wurden befragt, und die Computer des Neonazis ausgewertet. Dabei wuchsen die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mannes. Es lägen Anhaltspunkte vor, vermerkte ein Beamter, dass der Zeuge "wissentlich falsche Angaben" gemacht habe. Nun müssen sich die Ermittler wegen der Gefängnis-Umtriebe erneut mit dem Neonazi befassen.

Seltsam an dem Mann ist zudem eine frühe Vorliebe für das "Paulchen Panther"-Motiv. Der NSU hat die Comicfigur für eine Bekenner-DVD verwendet. Auf einem Computer des hessischen Neonazis fanden die Ermittler ein Dokument, das abgespeichert war unter: "01-PaulchenPanther-Anschreiben.doc". Dahinter verbarg sich ein harmloses Bewerbungsschreiben der Ehefrau bei einem Tierheim. Sie sagte der Polizei, den Brief habe damals ihr Mann für sie geschrieben. Die Datei und das Schreiben stammen aus dem Jahre 2009; zu der Zeit war das Bekennervideo des NSU noch gar nicht bekannt. Die Frau sagte den Ermittlern, sie wisse nichts vom NSU. Sie wisse nur, dass Paulchen Panther eben eine Fernsehfigur sei - "ich habe das auch gerne geguckt".