bedeckt München

Extremismus - Hildburghausen:Getränkemarkt verkauft Bier mit Nazi-Symbolik für 18,88 Euro

Bad Bibra
Eine Bierflasche mit der Aufschrift "Deutsches Reichsbräu". Foto: Götz Ulrich/Götz Ulrich/dpa (Foto: dpa)

Bad Bibra (dpa) - Ein Getränkemarkt aus Bad Bibra hat für Empörung gesorgt, weil er Bier mit Nazi-Symbolik verkauft hat. In den sozialen Netzwerken machten am Freitag Fotos aus dem Markt im Burgenlandkreis die Runde, auf denen die Kästen mit dem Bier namens "Deutsches Reichsbräu" in der bei Neonazis beliebten Frakturschrift für 18,88 Euro angepriesen wurden. Die Zahl "18" ist ein Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, die Initialen Adolf Hitlers. Die 88 steht in der Szene für "Heil Hitler".

Die neue Biermarke wurde Anfang des Jahres von Tommy Frenck im Internet angekündigt. Frenck wird vom Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremist in seinem aktuellen Bericht geführt. Der Mann betreibe ein Gasthaus in Kloster Veßra (Landkreis Hildburghausen), das eine bedeutende Immobilie der Szene sei.

Auf die Idee mit dem Bier habe ihn der Thüringer Innenminister Georg Maier (SPD) gebracht, schreibt Frenck auf seiner Internetseite. Jetzt sei es möglich, eigenes Bier in Umlauf zu bringen. Im nahe bei Kloster Veßra gelegenen Themar findet jedes Jahr ein Neonazi-Festival statt. Im vergangenen Jahr setzte die Polizei strenge Alkoholregeln durch, konfiszierte unter anderem 16 Fässer Bier. Eine Tankstelle in der Nähe des Festivalgeländes, wo sich die Besucher in den vergangenen Jahren mit Bier versorgt hatten, mietete die Polizei als Einsatzquartier an.

Während die sachsen-anhaltische Polizei noch prüft, ob das mit Neonazi-Symbolik aufgeladene Verkaufsangebot in Bad Bibra strafrechtlich relevant ist, sind die Thüringer mit der Prüfung der neuen Biermarke schon weiter. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde das Etikett im Landeskriminalamt überprüft - von Spezialisten, die sich mit Symbolen der rechtsextremen Szene auskennen. "Es ist strafrechtlich kein relevanter Aufdruck - auch, wenn er vielleicht diesen Anschein erweckt."

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), zeigte sich ebenso entsetzt wie zahlreiche Kommentatoren im Netz. Der Handelspartner des Marktes in Sachsen-Anhalt, wo das Bier verkauft wurde, reagierte und kündigte die Zusammenarbeit auf. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz der Polizei ermittelt wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen. Weitere Fälle, in denen Märkte die Biermarke im Süden Sachsen-Anhalts verkauften, waren der Polizei zunächst nicht bekannt. Auch in Thüringen sind die Ermittler involviert.

Er habe am Donnerstag von dem Angebot in dem betreffenden Getränkemarkt erfahren, sagte Landrat Ulrich am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Noch am selben Abend sei er selbst dort hingefahren. Ein Schild habe darauf verwiesen, dass die Kästen ausverkauft seien und im Februar nachgeliefert würden. "Viel schlimmer als die Tatsache, dass dieses Bier jemand verkauft, ist, dass es so viele kaufen." Eine unbekannte neue Biermarke für einen eher hohen Preis kaufe niemand, wenn er damit keine Botschaft senden wolle.

Laut Ulrich waren die rund 80 georderten Kästen binnen weniger Tage ausverkauft. "Es ist ein verheerendes Signal, dass so viele keine Berührungsängste haben und ihr Geld gern einem Neonazi in den Rachen werfen." Gerade in den Tagen, an denen an den 75. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz erinnert werde, sei die Aktion an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten.

Der Betrieb, unter dessen Namen "Getränke Quelle" der Markt in Bad Bibra bisher firmierte, zog sofort Konsequenzen. Er habe am Freitagmorgen von dem Bier erfahren und direkt die Zusammenarbeit mit dem Ladeneigentümer beendet, sagte der Geschäftsführer des Getränkegroßhandels WVG, Thomas Scharf, der dpa. "Wir distanzieren uns natürlich entschieden von dieser Sache."

Der Verkäufer des Biers betrieb demnach ein eigenständiges Geschäft, nutzte dafür aber die WVG-Marke "Getränke Quelle". Der Eigentümer habe die Hoheit über sein Sortiment. Am Montag sollen die Schilder der Marke vom Markt entfernt werden.

Zur SZ-Startseite