Ex-Trump-Berater:Bannon wieder bei "Breitbart": "Zurück an den Waffen"

  • Bereits seit Freitagnachmittag ist Stephen Bannon wieder Chef der ultrarechten Nachrichtenseite Breitbart News.
  • Trumps Ex-Chefberater erklärt, er "werde die Opposition zerstören".
  • "Die Trump-Präsidentschaft für die wir gekämpft und die wir gewonnen haben, ist vorüber", so seine Bilanz.

Von Beate Wild

Lange hat es nicht gedauert, bis Stephen Bannon nach seinem Rauswurf aus dem Weißen Haus einen neuen Job hatte. Dabei ist der neue Job eigentlich der alte: Am Freitagabend wurde bekannt, dass Bannon bereits zur ultrarechten Nachrichtenseite Breitbart News zurückgekehrt ist.

Am Freitagmorgen war der Ex-Chefstratege von US-Präsident Donald Trump entlassen worden und hatte seinen letzten Arbeitstag. Doch schon wenige Stunden später leitete er bei Breitbart als Geschäftsführer die Redaktionssitzung, so die Nachrichtenseite in einer Pressemitteilung.

Im Gespräch mit dem konservativen Magazin The Weekly Standard beschrieb Bannon seine Rückkehr so: "Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich werde die Opposition zerstören. Kein Zweifel."

Auf der Startseite titelte die Nachrichtenseite: "Stephen K. Bannon kehrt nach Hause zu Breitbart News zurück". Über seinem Foto war zu lesen: "Populist Hero" (populistischer Held). Breitbart-Chefredakteur Alex Marlow sagte: "Die populistisch-nationale Bewegung ist heute um einiges stärker geworden." Bannon sei ein Chef, der "seinen Finger am Puls der Trump-Agenda" habe.

"Diese Präsidentschaft ist vorbei", sagt Bannon

Zuvor hatte Bannon schon in einem Interview mit Bloomberg gesagt, er wolle sich weiter für Trump stark machen. "Wenn es da draußen Verwirrung geben sollte, lassen Sie mich das klarstellen: Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg", sagte er. Genauer gesagt gegen Trumps Gegner "im Kapitol, in den Medien, in Amerikas Unternehmen".

Bannon sieht mit seinem Abgang offenbar das Ende der nationalistisch-populistischen Ära im Weißen Haus gekommen, die er stark prägte. Dem The Weekly Standard prophezeite er, dass nun eine neue Phase in Washington beginne. "Die Trump-Präsidentschaft für die wir gekämpft und die wir gewonnen haben, ist vorüber", so Bannon.

Die Bewegung der Nationalisten sei zwar immer noch stark. "Doch diese Präsidentschaft ist vorbei", sagte er. Ab sofort sei es "etwas anderes". Es werde alle möglichen Arten von Kämpfen geben, gute und schlechte Tage, doch das Bisherige gehöre nun der Vergangenheit an, orakelte er vage wie pathetisch. Vermutlich meinte Bannon damit den Kampf gegen das, was er martialisch "American carnage" (Amerikanisches Blutbad) nennt. Dieses provokante Motiv war auch zentrales Element von Trumps düsterer Antrittsrede, an der Bannon mitgeschrieben hatte. Für den Präsidenten werde es schwierig, Versprechen wie den Mauerbau an der US-mexikanischen Grenze zu halten, glaubt Bannon.

Verachtung für gemäßigte Republikaner

Schuld an der Abkehr von der reinen Lehre hätten "die West-Wing-Demokraten", also die gemäßigten Berater der Trump-Regierung wie etwa Ivanka Trump und Jared Kushner. Sie und andere Moderate würden nun versuchen, Trump zu mäßigen, ist sich Bannon sicher.

Besondere Verachtung ließ Bannon in seinen Interviews dem "Washingtoner Establishment" zukommen, vor allem den angeblich gemäßigten Republikanern im Kongress. Sie hätten "kein Interesse an seinem [Trumps, d. Red.] Programm" gehabt. Die Abschaffung von "Obamacare" hätten sie nur halbherzig betrieben. So werde das nun auch mit anderen Gesetzesvorhaben sein.

Trumps entlassener Chefstratege bleibt im Weekly Standard zudem bei seiner Darstellung, freiwillig das Weiße Haus verlassen zu haben. Er habe am 7. August seine Kündigung mitgeteilt und ein Datum rund um den 14. August angepeilt, also dem Jahrestag seines Ausstiegs bei Breitbart für einen Job als Trumps Wahlkampfmanager im vergangenen Jahr.

An der Version des freiwilligen Abgangs gibt es allerdings Zweifel. Spätestens mit den Antritt von John Kelly als Stabschef hatte sich angedeutet, dass die Tage Bannons gezählt sein könnten. Bannon galt stets als Unruhestifter und als möglicher Leaker von Informationen, mit denen er seinen Rivalen schaden wollte.

Bannon: "Ich werde mit Breitbart eine verdammte Maschine schaffen."

Die prominente Rolle, die ihm Medien zuschrieben, habe auch den US-Präsidenten verärgert, hieß es immer wieder. Zudem lieferte sich Bannon im Frühjahr eine Fehde mit Trump-Berater und Schwiegersohn Jared Kushner. Zuletzt hatte Breitbart den nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster hart angegriffen. Bannon stand in Verdacht, der Pate hinter dieser regelrechten Schmutzkampagne gewesen zu sein.

Für den 63-jährigen Bannon beginnt der Kampf jetzt allerdings erst richtig - und mit seinen Insiderinformationen könnte er zum Problem für die Trump-Regierung werden. "Ich fühle mich geradezu hochgehoben. Jetzt bin ich frei", sagte er am Freitag. "Ich werde mit Breitbart eine verdammte Maschine schaffen. Und mit dem, was ich jetzt weiß, werde ich die Maschine auf Hochtouren bringen."

© SZ.de/ewid
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