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Ex-SPD-Wahlwerber Karpinski:"Beck verkörpert die Pfalz"

Detmar Karpinski, Chef der Werbeagentur KNSK, hat zweimal erfolgreich mit der SPD im Bund Wahlkampf gemacht. Er half der "Kampa", Gerhard Schröder zum Kanzler zu machen. Heute würde er nicht mehr für die SPD arbeiten - was auch an Kurt Beck liegt.

Es wirkt wie eine Nachricht aus ferner Zeit: Vor zehn Jahren hat die SPD Bundestagswahlen gewonnen. Wie haben die das bloß geschafft? Unter anderem mit guter Werbung. Detmar Karpinski, Chef der Werbeagentur KNSK, hat damals an der so genannten "Kampa" der SPD gefeilt. Und verrät, warum er das heute nicht mehr machen würde.

Einer der "Kanzlermacher" von 1998: Detmar Karpinski, Chef der Werbeagentur KNSK.

(Foto: Foto: KNSK)

sueddeutsche.de: 1998 hat die SPD mit ihrer sogenannten "Kampa" neue Maßstäbe im deutschen Wahlkampf gesetzt, indem sie verstärkt auf Profis aus der Werbung setzte. Ihre Agentur KNSK hatte daran maßgeblich Anteil und der SPD 1998 zum Sieg verholfen. Dabei sah es doch auch damals am Anfang noch schlecht aus für die SPD.

Detmar Karpinski: Es sah damals wirklich nicht gut aus. Bei Umfragen im Jahr 1995 haben noch 90 Prozent der Wähler angegeben, die SPD sei "überholt" und "überflüssig". Deshalb haben wir der SPD geraten, langfristig an ihrem Image zu arbeiten. Die Kampa fing deshalb schon Mitte 1997 an, also eineinhalb Jahre vor den Wahlen.

sueddeutsche.de: Müsste die SPD nicht heute schon mit einer neuen "Kampa" anfangen? Die kommenden Bundestagswahlen sind in eineinhalb Jahren.

Karpinski: Klar, auf jeden Fall. Das Problem ist aber, dass Werbung nur Katalysator ist. Die entsprechenden Grundvoraussetzungen müssen natürlich durch die Partei und durch die Personen vorgegeben werden. Ob das mit Kurt Beck überhaupt noch möglich ist, frage ich mich.

sueddeutsche.de: Die Kandidatenkür hat ja damals eine große Rolle in der Kampa gespielt, indem man die Wahlen in Niedersachsen als Vorwahl für Gerhard Schröder inszeniert hat. Auch jetzt ist die K-Frage in der SPD da. Könnte man heute wieder die Kandidatenkür für eine Kampagne nutzen?

Karpinski: Ja, nur braucht man dazu natürlich das entsprechende Personal. 1997 gab es zwei starke Kanditaten, nämlich Oskar Lafontaine und Schröder, denen man beiden zutraute, gegen den 16 Jahre im Amt gesessenen Helmut Kohl antreten zu können. Da scheint mir die Personaldecke der SPD heute bischen dünner.

Weil 1998 die SPD nicht in der Regierung war, waren ihre besten Leute im Wahlkampfzentrum. Heute sitzen die besten Leute in der Regierung. Oder sie sind von Bord gegangen wie Franz Müntefering. Die Frage ist eben, ob das Menschenmaterial, ob die Substanz überhaupt noch so groß ist, wie sie 1998 war. Mit kommt das alles etwas ausgeblutet vor.

sueddeutsche.de: Bei der Kampa 1998 gab es Gerhard Schröder, der Innovation verkörpern sollte und Lafontaine, der für Gerechtigkeit stand. Was könnte Kurt Beck in einer SPD-Kampagne verkörpern?

Karpinski: Gute Frage. Weiß ich auch nicht was der verkörpert (Pause). Also die Pfalz verkörpert er, finde ich (lacht).