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Ex-SklaveYahya ould Brahim:"Meine Eigentümer waren selbst arm wie viele Sklavenhalter"

Oft blieb nichts mehr übrig, wenn meine Besitzer gegessen hatten, denn sie waren selbst arm, wie viele Sklavenhalter übrigens. An solchen Abenden blieb mir nur, eine Ziege zu melken und auf den nächsten Morgen zu warten.

Yahya ould Brahim Ex-Sklave Paris

Trotz all seiner Traumata sagt Yahya ould Brahim: Ich habe Glück gehabt.

(Foto: Niklas Schenk)

Einmal hatte ich Ould Lemine gefragt, ob ich meine Mutter besuchen dürfe, denn sie war krank. Er verbot es, und kurz darauf verlor ich ein paar Ziegen. Er war sicher, ich hätte sie verkauft, um mit dem Geld abzuhauen. Er hat mir gedroht, die Strafe würde schrecklich, wenn ich ohne die Ziegen wiederkäme. Ich suchte sie die ganze Nacht, dann lief ich fort. Das war vor 13 Jahren, und solange ich kein Asyl habe, fühle ich mich, als ginge meine Flucht immer weiter. Trotzdem hatte ich Glück.

Ein reicher Franzose kümmert sich um mich, er hilft mir, ein paar Euro zu verdienen, ich habe eine winzige Wohnung. Meine Frau und ich teilen sie mit Hugo, einem Flüchtling aus dem Kongo. Manchmal habe ich das Gefühl, wir gehören nicht in diese Welt. Gestern erst hat Hugo eine Konservendose in die Mikrowelle gestellt und wollte sie erhitzen, da wäre fast die Küche in Flammen aufgegangen.

"Mit meinem Problem bin ich allein"

Ein Psychologe schrieb an die französischen Asylbehörden, dass ich an Schlafstörungen und Depressionen leide, an Persönlichkeitsverlust und Angstzuständen, und dass ich eine posttraumatische Belastungsstörung habe. Ich weiß nur, dass ich oft müde bin und noch öfter traurig. Irgendwann habe ich das nicht mehr ausgehalten und habe mich einem Freund anvertraut, aus Mali. Er hat mir sehr geholfen.

Er arrangierte die Hochzeit mit seiner Schwester, damit ich nicht so alleine bin. Sie heißt Medina und lebte damals noch in Italien. Sie kam nach Paris und wir haben uns kennengelernt, und eine Woche später haben wir geheiratet. Wir haben mit zehn Freunden zu Abend gegessen, später getanzt. In Mali hat ihre Familie eine traditionelle Zeremonie abgehalten, später haben sie uns ein Video geschickt.

Medina ist jetzt im vierten Monat schwanger. Ich hatte ihr vor der Hochzeit nicht erzählt, dass ich früher ein Sklave war. Als ihre Brüder und ihre Cousins davon erfuhren, hielten sie es für eine Schande. Es werfe ein schlechtes Licht auf die Familie. Aber Medina macht mir keine Vorwürfe.

Eben habe ich ihr ein Video bei Youtube gezeigt, einen Dokumentarfilm von 2008, darin werden Sklaven befreit in Mauretanien. Sie hat sich das eine Weile angesehen und ein paar Fragen gestellt, aber dann hat sie sich zum Fernseher gedreht und das Dschungelcamp wieder lauter gestellt. Ihre Nähe tut mir gut, aber mit meinem Problem bin ich allein."

Sklaverei in Mauretanien

Der Kampf des Biram Dah Abeid