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Ex-Geisel erhält keine Rente:Kein Herz für Helmut Hofer

840 Tage war der heute 66 Jahre alte Helmut Hofer als Irans Staatsgeisel die Marionette in einem großen Spiel. Iran wollte ihn gegen einen Mykonos-Attentäter austauschen. Nun lässt ihn Berlin im Stich - es geht um Hofers Rente.

Vor acht Jahren wurde der Hamburger Kaufmann Helmut Hofer feierlich im Kanzleramt empfangen. Er war 840 lange Tage eine Staatsgeisel der Mullahs in Iran gewesen.

Helmut Hofer bei seiner Ankunft auf dem Kölner Flughafen fast zwei Jahren Geiselhaft in Iran.

(Foto: Foto: AP)

In einem Schauprozess hatte ihn ein Teheraner Gericht wegen einer angeblichen Beziehung zu einer Muslimin zum Tode verurteilt. Er sollte gesteinigt werden und saß im Evin-Gefängnis ein.

Der heute 66 Jahre alte Mann war die Marionette in einem großen Spiel. Iran drängte damals auf die vorzeitige Freilassung des in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilten Agenten Kazem Darabi, der 1992 das Mykonos-Attentat organisiert hatte. Dabei waren in einem Berliner Restaurant vier kurdische Exilpolitiker erschossen worden. Teheran wollte dann Hofer gegen Darabi austauschen.

Der Hamburger, um den es still geworden ist, erhielt Ende vergangener Woche Post aus dem Kanzleramt. Ein Ministerialdirigent teilte ihm auf Anfrage sehr freundlich mit, dass die Regierung ihm leider nicht helfen könne. Es geht nicht um viel, es geht nur um Hofers Rente.

Während der Kaufmann, der mit Autoteilen und Lederwaren handelt, unfreiwillig in Iran war, hat er aus nachvollziehbaren Gründen keine Mark in seine Rentenversicherung eingezahlt. Das Kanzleramt hat seinen Fall geprüft und teilte ihm jetzt mit, es gebe keine Möglichkeit, "die Zeit Ihrer Inhaftierung im Iran als Ersatzzeit für Ihre Rente" zu berücksichtigen.

Der Bitte Hofers, ihn dann nach dem sogenannten Häftlingshilfegesetz mit derzeit 250 Euro im Monat zu entschädigen, könne nach "Prüfung" leider auch nicht stattgegeben werden: Das Gesetz hilft zwar Leuten, die "aus politischen Gründen außerhalb der Bundesrepublik in Gewahrsam genommen wurden".

Außerhalb aber bezieht sich nur auf die ehemalige "sowjetische Besatzungszone" oder den ehemaligen "sowjetisch besetzten Sektor von Berlin". Da "Teheran in keinem der obengenannten Gebiete liegt", das hatte ihm vorab schon die Deutsche Rentenversicherung Nord mitgeteilt, komme der Mann mit der Versicherungsnummer 59270541H004/4650 für eine solche Zusatzrente einfach nicht in Betracht.

"Buchstabengetreu mag dies wohl zutreffen", sagt Hofer, "aber sachlich und politisch fühle ich mich von diesem Gesetz genauso betroffen wie die DDR-Inhaftierten." Er verweist auf Beispiele im Ausland. Während etwa in den USA im Jahr 2000 vierzehn US-Bürger, die in Iran in Geiselhaft waren, insgesamt 380Millionen Dollar Entschädigung erhielten, sind solche Zahlungen für deutsche Staatsgeiseln nicht vorgesehen.

Für Hofer, der noch arbeitet, sieht es finanziell duster aus. Die meisten Kunden hat er nach der Haft verloren, in seine Lebensversicherung, die er auch hatte, hat er nichts einbezahlen können, eine Wohnung in der Schweiz wurde in der Zeit der Haft zwangsversteigert, ein angeblicher Freund, dem er in der Zelle eine Kontovollmacht gegeben hatte, verkaufte Hofers Aktien und bezahlte damit sogar Telefonkosten. Hofer beziffert seinen Verlust vorsichtig auf mehr als 200 000 Euro.

Der Ministerialdirigent aus dem Kanzleramt bedauert "zutiefst", keine "günstigere Antwort" geben zu können, wünscht aber "für die weitere Zukunft alles Gute". Wollen die "mich für total doof verkaufen?", fragt Hofer in einem Brief: "Ich war doch unbestritten eine Staatsgeisel für Iran gegen Deutschland." Das ist nicht strittig, aber bei der Rente und auch sonst muss es ordentlich zugehen.