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Ex-Geheimdienstler im Đureković-Prozess:Spione, Schüsse und schweigsame Herren

Jugoslawischer Ex-Geheimdienstchef vor Gericht

Angeklagt: Der frühere jugoslawische Geheimdienst-General Josip Perković.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Im Juli 1983 erschossen Auftragskiller in Bayern den Exilkroaten Stjepan Đureković. Nun stehen die mutmaßlichen Hintermänner vor Gericht - ehemals hochrangige Mitarbeiter des kroatischen Geheimdienstes.
  • Es geht dabei auch um die längste ungeklärte Mordserie der Bundesrepublik: 30 Exilkroaten starben von Ende der 60er bis in die 80er Jahre gewaltsam auf deutschem Boden.
  • Die Angeklagten schweigen. Doch nun sagt ein verurteilter Mittäter aus.

Für den Zeugen Krunoslav P. steckt die Wahrheit in einer weißen Plastiktüte. Das Gericht verwahrt sie, der Vorsitzende Richter Manfred Dauster höchstselbst trägt sie nach jeder Prozesspause wie die Katze ihr Junges aus einem Hinterzimmer in den Saal, überreicht sie P., "Ihre Wundertüte", nennt er sie.

Hier hat der Zeuge P. alles aufbewahrt: Da wäre das Urteil, das ihn selbst 2008 lebenslang hinter Gitter gebracht hat, als Mörder des exilkroatischen Dissidenten Stjepan Đureković, der am 27. Juli 1982 in P.s Druckereiwerkstatt starb und der auch im Mittelpunkt jenes neuen Prozesses steht, in dem er nun Zeuge ist. In P.s Aktentüte soll auch ein 170 Seiten langes Schriftstück stecken, Krunoslav P. will damit Fehler in seinem eigenen Urteil nachweisen, die Wiederaufnahme erreichen.

Es geht um einen Mord in Wolfratshausen - und um viel mehr

Doch jetzt geht es um die vermeintliche Schuld der Hintermänner. Es ist ein höchst komplexer Fall, der vor 32 Jahren in einer Garage im oberbayerischen Wolfratshausen begann, und der zehn Jahre lang für politische Verwerfungen zwischen Deutschland und Kroatien sorgte. Bis zu diesem Frühjahr: Da musste das neue EU-Mitglied Kroatien die beiden ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstchefs ausliefern, die der Staat lange davor geschützt hatte, in München auf der Anklagebank zu sitzen.

Denn die Bundesanwaltschaft wirft Josip Perković und seinem ehemaligen Chef Zdravko Mustač vor, den Mord an Stjepan Đureković in Auftrag gegeben zu haben - auf Geheiß eines Exekutivkommandos der Partei. Doch es geht nicht nur um den Mord in Wolfratshausen, es geht um viel mehr: Erstmals stehen damit die mutmaßlichen Hintermänner in der längsten ungeklärten Mordserie der Bundesrepublik vor Gericht, bei der etwa 30 Exilkroaten auf deutschem Boden gewaltsam starben: auf Geheiß Titos und seiner Nachfolger, von Ende der Sechziger- bis in die Achtzigerjahre.

Es ist eines von 13 Ermittlungsverfahren in der Serie. Doch für die Staatsschutzkammer des Münchner Oberlandesgerichtes wird es nicht einfach werden, den Angeklagten nachzuweisen, was die Bundesanwälte ihnen vorwerfen: Beihilfe zum Mord.

Seit zehn Verhandlungstagen sitzen die beiden ergrauten Herren in dunklen Anzügen schweigend im Saal, sie sprechen nur in den Pausen, während der Verhandlung sprechen sie weder zu den Vorwürfen noch zu ihrer Biografie. Während Mustač wie unbeteiligt im Raum umherblickt, macht sich Perković unablässig Notizen. Sein Gesicht bleibt meist ohne Regung.