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Ex-Bundespräsident:Gauck: Exilmuseum für „dunkles Kapitel“ deutscher Geschichte

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Berlin (dpa) - Das in Berlin geplante Exilmuseum wird aus Sicht von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck „ein Thema von brennender Aktualität“ behandeln. Es gehe gleichzeitig um eines der „dunklen Kapitel, die auf uns gewartet haben“, sagte Gauck am Freitag in Berlin zur Eröffnung einer Werkstatt, in der das für 2026 geplante Exilmuseum vorbereitet werden soll. Gauck hat neben Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller („Atemschaukel“) die Schirmherrschaft des Projekts übernommen.

„Wir alle sind Menschen, die in Freiheit leben können“, sagte Gauck. Exil sei eine „beispiellose Katastrophe für die Verjagten, die alles verloren haben“.

„Diese Geschichte und die Dimensionen des Exils sind nicht besprochen“, sagte Müller. „Das Museum ist heute noch wichtiger.“ Es müsse umso mehr passieren, „je mehr Menschen zu uns kommen.“ Deswegen müsse sich Politik verantwortlich fühlen. „Das ist auch ein Museum gegen Antisemitismus, der heute überall wächst, und gegen die Rechtsradikalen, die heute überall im Bundestag rumstehen.“

Am früheren Anhalter Bahnhof nahe des Potsdamer Platzes soll das Museum nach einem Entwurf des dänischen Büros Dorte Mandrup entstehen. Das Haus soll an rund 500 000 Menschen erinnern, die unter dem Druck der Nationalsozialisten Deutschland verlassen mussten. Viele kehrten auch nach dem Krieg nicht mehr zurück.

Im Museum soll laut der Stiftung neben der Vermittlung des historischen Themas der Inhalt des Wortes „Exil“ begreifbar gemacht werden sowie auf die aktuelle Relevanz des Themas verwiesen werden.

Die Baukosten sind mit 27 Millionen Euro angesetzt. Sie müssen über Spenden und private Mittel finanziert werden. Eine Kunstauktion brachte 6,3 Millionen Euro ein. Dabei wurden hochkarätige Werke aus der Privatsammlung von Kunsthändler Bernd Schultz versteigert.

Schriftstellerin Müller hatte sich bereits vor Jahren in einem offenen Brief an die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für ein Museum des Exils eingesetzt. Sie hatte wegen der Verfolgung durch das Ceausescu-Regime selbst ihre Heimat in Rumänien verloren.

Den Anhalter Bahnhof sieht die Stiftung symbolisch für das Thema, da von hier Tausende aufgebrochen waren, um ins Ausland zu fliehen. Zugleich steht er auch als späterer Deportationsbahnhof für das Schicksal jener, denen die Flucht nicht mehr gelang.

Das Konzept für das neue Museum sieht vor, dass die Ruine des Anhalter Bahnhofs frei stehen bleibt - dahinter erstreckt sich in gebogener Form der Museumsbau.

© dpa-infocom, dpa:221014-99-131988/3

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