Ex-Bundespräsident Christian Wulff Ein Prozess unter Freunden

Während Christian Wulff die Spuren dieses Jahres gar nicht verbergen könnte, erscheint Glaeseker äußerlich unverändert. Er hat kaum Gewicht verloren und daheim in Steinhude bei Hannover einen festen Freundeskreis, der ihn trägt; es ist ihm wichtig, dass niemand glaubt, die Sache habe ihn aus der Bahn geworfen. Nach ein paar Monaten der Zurückhaltung agiert er jetzt fast wieder wie früher, als er im Hintergrund den Journalisten die Anliegen Wulffs einflüsterte, wie ein Bauchredner der Macht. Alle hörten, was er sagen wollte, niemand sah ihn. Auch jetzt gibt es Glaeseker öffentlich nicht, aber seine Sicht der Dinge taucht nach und nach in Geschichten über die Affäre auf.

Immer häufiger ist in Hannover nun zu hören, dass Wulff und Glaeseker - da hätten sie immerhin noch etwas gemeinsam - sich beide als Opfer eines unnötig in die Länge gezogenen politischen Verfahrens sehen, gesteuert vom Justizministerium unter Busemann, um alte Rechnungen zu begleichen. Die Staatsanwaltschaft wehrt sich. Die Dauer des Verfahrens entspreche dem normalen Maß in Korruptionsangelegenheiten. Was die Summen angeht, sind es für viele Beobachter Kleinigkeiten, die Christian Wulff und auch Olaf Glaeseker vorgeworfen werden. Nichts, was sie reich gemacht hätte. Doch ist die Höhe der Beträge für das Team um Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer irrelevant. Für sie wäre es nicht weniger verwerflich, wenn der Staatswille für kleines Geld verfälscht wird.

Und auch, dass in diesen Verfahren so viel von Freundschaft die Rede ist, lässt einen Korruptionsexperten wie Eimterbäumer kalt. Es ist eher der Normalfall, dass die Täter in solchen Verfahren sich sympathisch finden, oft seit zwanzig oder dreißig Jahren befreundet sind. Auch Freunde können einander bestechen.

So ein Prozess unter lauter "Freunden": Man könnte sogar verstehen, wenn weder Glaeseker noch Wulff das wollten.