Ex-Außenminister Fischer meldet sich zurück Joschkas Rückkehr

Am Donnerstag stellt Fischer seine Version der rot-grünen Kabinettsjahre vor. Mit einem Blick zurück wird er es aber nicht bewenden lassen: Nach zwei Jahren Abstinenz will Fischer wieder in der Politik mitmischen.

Von Stefan Kornelius

Terminator Arnold Schwarzenegger pflegte die Eigenart, die Fortsetzung seiner heilbringenden Brutalitäten mit einem Satz anzukündigen: "I'll be back."

Joschka Fischer: Nach zwei Jahren Abstinenz und Aufenthalt in den USA ist er wieder zurück - und will wieder in der Politik mitmischen.

(Foto: Foto: AP)

Der frühere Außenminister Joschka Fischer kann nach zwei Jahren im selbstgewählten politischen Asyl in den USA auf den Gebrauch des Futurs verzichten: "Ich bin wieder da" ist die Botschaft - und Fischer spricht bestimmt nicht nur von seiner physischen Präsenz in Berlin.

Am Donnerstag stellt Fischer seine Version der rot-grünen Kabinettsjahre vor, 444 Seiten gebunden, im Umfang vergleichbar mit den Werken Churchills oder Clintons, wie der Spiegel anmerkt, der sich die Vorabdruckrechte gesichert hat. Aber Fischer wird es nicht mit einem Blick zurück bewenden lassen.

Kosovo als Testfall

Er macht kein Hehl daraus, dass seine Meinung in der Außenpolitik weiter zählt - und dass er vieles kritisch betrachtet, was da zur Zeit in Europa entschieden wird. Zwei Jahre in den USA, "das hat die Sicht klar gemacht", sagt er.

Doch seine Partei, die Grünen, ist ihm fremd geworden, und das Amt ist ihm genommen. So braucht Fischer eine neue Plattform. Er hat eine Beraterfirma gegründet ("Joschka Fischer Consulting") und sich einer neuen europäischen Denkfabrik angeschlossen, die Furore machen will: Der European Council on Foreign Relations borgt sich den Namen vom großen amerikanischen Vorbild, agiert aber unabhängig, nicht zuletzt dank der großzügigen Finanzierung des Milliardärs und Mäzens George Soros.

Fischer ist Gründungsmitglied und Vorstand des European Councils und nutzte den Gründungstag gleich, um seine Botschaft zu verbreiten. Gemeinsam mit dem früheren finnischen Präsidenten und Balkan-Unterhändler Martti Ahtisaari warb er für europäische Geschlossenheit bei der Anerkennung eines unabhängigen Kosovo. "Der Kosovo ist der Testfall für eine europäische Außenpolitik", so Fischer, "so lange Russland den Eindruck hat, dass wir uneinig sind, so lange wird es mit uns Spielchen spielen".

"Kameraden, so geht es nicht"

Fischer, der aus seiner Distanz zu Russland kein Hehl macht und die Wirtschaftsverbindungen seines früheren Chefs, Altbundeskanzler Gerhard Schröders, offen kritisiert, wird mit dem neu gegründeten Council demnächst eine Studie vorlegen, wonach Europa allen Grund zum Selbstbewusstsein habe: Die Energieabhängigkeit sei gesunken, umgekehrt steige Russlands Abhängigkeit von den westeuropäischen Investitionen, selbst in klassischen Messgrößen wie Militärstärke sei die EU Russland überlegen.

"Der Kosovo muss uns die Augen öffnen", so Fischer, "die Europäer müssen verstehen, welchen Einfluss sie ausüben können, wenn sie nur geeint auftreten".

Zu dieser europäischen Einigkeit gehört für Fischer auch ein größeres Gewicht in der Nato, weshalb er die von Präsident Nicolas Sarkozy angekündigte Rückkehr Frankreichs in die Kommandostruktur des Bündnisses begrüßt. Der klaren Politik aus dem Elysee kann er viel abgewinnen. Und er sagt, dass Deutschland gut beraten gewesen wäre, sich im Süden Afghanistans militärisch zu engagieren. "Nur so hätten wir den Amerikanern sagen können: Kameraden, so geht es nicht." Jetzt aber betreibe die Nato eine "selbstzerstörerische Politik".

Europas Selbstbewusstsein - das ist das zentrale Thema von Fischers neuem Council. Die Denkfabrik will nicht nur Papiere schreiben, sondern mit einer eigenen Agenda Politik beeinflussen. Fischer kommt's gelegen: Nach zwei Jahren politischer Abstinenz meldet er sich zurück.