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Evangelische Kirche:Morddrohungen gegen Bischof

Der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm wird wegen des Engagements für Flüchtlinge bedroht. Er sagt, die Hetze sei "in keinem Fall hinnehmbar".

Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. "Vor allem im Zusammenhang mit meinem Engagement in der Seenotrettung von Flüchtlingen habe ich recht konkrete Drohungen erhalten", sagte der bayerische Landesbischof der Augsburger Allgemeinen. Es sei wichtig, dass die Polizei solche Drohungen konsequent verfolge, sagte Bedford-Strohm. Auch die Morddrohungen gegen WDR-Mitarbeiter, die ein satirisch gemeintes Lied über eine umweltverschmutzende Oma produziert hatten, seien "in keinem Fall hinnehmbar". "Soziale Netzwerke sind zum Schutzraum für Hetzer geworden, das kann nicht sein", so der oberste Repräsentant von mehr als 21 Millionen evangelischen Christen in Deutschland. Vor Weihnachten hatte die EKD gemeinsam mit mehreren Nichtregierungsorganisationen das Aktionsbündnis "United4Rescue" ins Leben gerufen. Es möchte ein eigenes Schiff zur Rettung von Flüchtlingen in Seenot ins Mittelmeer schicken. Nach Angaben des Bündnisses sind schon zahlreiche Spenden für das Projekt eingegangen, die Initiatoren hätten aber auch viele Hassmails erhalten.

Vertreterinnen und Vertreter der großen Kirchen sind Anfeindungen und Gewaltandrohungen ausgesetzt, seit die evangelische wie die katholische Kirche 2015 für die Aufnahme von Flüchtlingen eintrat und die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel mittrug, die Landesgrenzen nicht zu schließen, obwohl dadurch innerhalb weniger Monate fast eine Million Flüchtlinge vor allem über die Balkanroute nach Deutschland kamen.

Hasskommentare "gehören leider fast schon zur Normalität einer Existenz als öffentliche Person"

So wurde der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wiederholt bedroht, seit er 2016 erklärt hatte, Deutschland brauche keine solche Alternative wie die AfD, und an einem zum Altar umfunktionierten Flüchtlingsboot die Eucharistie gefeiert hatte; zuletzt tauchte sein Name im Juni auf einer Internetseite auf, auf der Rechtsextreme Kölner Prominenten einen "Tag der Abrechnung" ankündigten. Der Erfurter Bischof Neymeyer erhielt Drohungen, als er aus Protest gegen eine AfD-Veranstaltung vor dem Dom die Beleuchtung der Kirchenfassade ausschalten ließ. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sah sich mit Hasskommentaren auf einer AfD-Facebookseite konfrontiert, nachdem er gesagt hatte, für ihn sei auch ein muslimischer Bundespräsident vorstellbar; unter anderem hieß es dort: "Dieses ganze Politiker- und Pfaffengesindel sind korrupte Verbrecher und gehören liquidiert". Auch Ilse Junkermann, die scheidende Bischöfin der mitteldeutschen Landeskirche, berichtete vergangenen Sommer von "massiven Morddrohungen", weil sie sich gegen Rechtsradikalismus engagiert habe.

Zahlreiche Politiker, aber auch viele Privatpersonen, zeigten sich solidarisch mit dem EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm, nachdem er die Verbalattacken gegen sich öffentlich gemacht hatte. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte es auf Twitter "einfach unerträglich, wenn Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit zu Morddrohungen führen". Ebenfalls auf Twitter schrieb der Grünen-Politiker Cem Özdemir: "Rechtsradikale entlarven sich selbst am besten. Sie geben vor, das christliche Abendland zu verteidigen und drohen Bischof mit Mord? Dümmer geht's nicht." Der Landesbischof schrieb auf Facebook, er sei überrascht über das Echo: "Danke für alle Zeichen der Verbundenheit, die mich deswegen heute erreichen." Solche Hasskommentare gehörten "leider fast schon zur Normalität einer Existenz als öffentliche Person, die sich zu manchen Themen klar äußert". Er persönlich könne "gut damit leben".

© SZ vom 07.01.2020
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