Eva Christiansen Die Frau, die es für Merkel richten soll

Merkels Medienberaterin Eva Christiansen steigt auf zur Doppelreferatsleiterin im Kanzleramt. Sie dürfte inzwischen mächtiger sein als der formale Chef des Hauses.

Von Thorsten Denkler

Manche behaupten von ihr, sie wisse mehr über Angela Merkel als der Kanzlerin-Gatte Joachim Sauer. Eva Christiansen gehört zum engsten Kreis um die CDU-Chefin, zum inner circle - so wie die getreue Büroleiterin Beate Baumann.

Merkel, Baumann, Christiansen - das wurde in der Presse als Girls Camp im Kanzleramt vorgeführt.

Jetzt bedankt sich Angela Merkel für die treuen Dienste. Eva Christiansen leitet - wie jetzt bekannt wurde - seit Anfang März neben dem von der Kanzlerin speziell für Christiansen geschaffenen Referat Medienberatung auch das Referat "Politische Planung, Grundsatzfragen, Sonderaufgaben". Damit sind Christiansen jetzt unter anderem auch Merkels Redenschreiber unterstellt.

Eva Christiansen hat damit die komplette Außenwirkung der Kanzlerin unter sich. Sie sagt, wie das Licht im Fernsehstudio für das Kanzlerduell zu sein hat. Sie bestimmt, welchen Medien wann Interviews mit der Kanzlerin gewährt werden. Sie gibt vor, in welchem Duktus ihre Reden zu schreiben sind. Sie berät die Kanzlerin auch, wenn es um die Garderobe für die Wagner-Festspiele in Bayreuth geht.

Während Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Stimme Merkels im politischen Alltagsgeschäft ist, ist Christiansen für das look and feel der Kanzlerin, für das Gesamtkunstwerk Merkel zuständig. Sie interessiert weniger, was die Regierungschefin sagt, sondern eher wie, wo und unter welchen Umständen. Dass Christiansen damit Erfolg hat, beweisen die seit Jahren guten Persönlichkeitswerte der Kanzlerin in Umfragen.

Eine mögliche Erklärung für den neuerlichen Aufstieg von Christiansen könnte der Zustand der schwarz-gelben Koalition sein. Schon bald nach dem Start verhedderten sich die Parteien im Streit um Steuervergünstigungen und Kopfpauschale, der auch Merkel in Gefahr bringen könnte.

Mehr Einfluss auf Merkel hat formal nur noch Christiansens direkter Vorgesetzter, Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Und selbst da kann der sich nicht so sicher sein.

Bisheriger Leiter der Grundsatzabteilung war Matthias Graf von Kielmansegg. Er wurde zum Gruppenleiter in der Abteilung 3 befördert und zeichnet nun zuständig für Gesellschaftspolitik, Bildung und Forschung. Ein Umstand, den das Kanzleramt nicht als Abstieg oder gar Entmachtung gewertet sehen will. Angeblich hat Kielmansegg selbst um eine neue Aufgabe gebeten, was Christiansens Machtzuwachs ermöglichte.

Die 1970 geborene Christiansen ist an Merkels Seite, seit die Ostdeutsche 1998 - noch in Bonn - als Generalsekretärin der CDU ins Konrad-Adenauer-Haus zieht. Christiansen arbeitet damals bereits als stellvertretende Parteisprecherin für die CDU, deren Mitglied sie erst seit 1997 ist. Unter Angela Merkel wird Christiansen Parteisprecherin, dann Fraktionssprecherin. Nach ihrem Wahlsieg 2005 nimmt Merkel die ersten Helferinnen Baumann und Christiansen mit ins Kanzleramt.

Kurz danach wird Eva Christiansen Mutter. 2007 kehrt sie zurück, zunächst auf 28-Stunden-Basis. Ihre Prioritäten würden jetzt bei ihrem Kind liegen, heißt es damals. Inzwischen dürfte sie wieder mehr Zeit für ihre Chefin haben.

Was man noch über Christiansen weiß: Sie ist Katholikin, Sternzeichen Löwe, tanzte Ballett. Ihr Mann heißt Gordon, die gemeinsame Tochter Sophie Leonor.

Eva Christiansen redet nicht gerne über sich, noch weniger über die Kanzlerin. Einladungen zu Hintergrundgesprächen mit Journalisten lehnt sie regelmäßig dankend ab. Als Medienberater können viele tätig sein - doch Christiansens größter Vorzug ist, dass sie schweigen kann. Mal abgesehen davon, dass ihr das nicht mal schwerzufallen scheint.

Es sichert ihr etwas, womit Merkel ohnehin nur sehr sparsam umgeht: das Vertrauen der Kanzlerin.