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Eurovision Song Contest:Warum der Song Contest in Israel ein Aufreger ist

Vor dem Eurovision Song Contest - Protest  im Gazastreifen

Aktivisten forderten in der vergangen Woche die Aufhebung der Gaza-Blockade und den Boykott des Eurovision Song Contest (ESC). Foto: Oded Balilty/AP/dpa

(Foto: dpa)

Regierungschef Netanjahu will das Land als weltoffenes Tourismusziel präsentieren. Rabbiner beklagen eine "Schändung" des jüdischen Ruhetags.

Mehr als zweihundert Menschen stehen Freitagmittag bei 26 Grad an, um auf Einlass ins Eurovision-Dorf in Tel Aviv zu warten. Kurz nach zwölf Uhr öffnen sich die Gitter, jeder muss einem der Ordner Einblick in seine Tasche geben, bei manchen werden auch noch die Hosentaschen abgetastet. Mehrere Dutzend Polizisten, einige auf einem Hochstand, sind präsent - aber alle sichtlich entspannt.

In dem Areal direkt am Strand von Tel Aviv sind Buden und Bühnen sowie riesige Leinwände aufgebaut. Tausende Menschen haben hier bereits die Semifinals des Eurovision Song Contest (ESC) verfolgt. Hier steigt die große Party zum Finale am Samstag, wo auch Madonna zwei Songs zum Besten geben wird. Der israelisch-kanadische Milliardär Silvan Adams ließ sich das eine Million Dollar kosten.

Auch tagsüber gab es im Eurovision-Dorf Shows israelischer Künstler und Auftritte ehemaliger Song-Contest-Gewinner wie der Israelin Dana International und Conchita Wurst aus Österreich. Alle 42 Delegationen waren gekommen - trotz Boykottaufrufen. Künstler wie die Musiker Roger Waters und Peter Gabriel hatten wegen "systematischer Verletzungen der Menschenrechte von Palästinensern" eine Verlegung in ein anderes Land verlangt.

Die heftigste Eskalation seit Ende des Gazakriegs 2014 schreckte Besucher ab

Etwa 5000 Besucher sind extra für den ESC angereist, weniger als erwartet. Egal, wen man fragt, alle zeigen sich verwundert, dass es nicht mehr Sicherheitsmaßnahmen gibt. Man war auf Panzer in den Straßen gefasst oder zumindest auf mehr Soldaten, so die Antworten. Laut dem Polizeisprecher Micky Rosenfeld sind rund 20 000 Einsatzkräfte im Einsatz. Viele sind ohne Uniform unterwegs, etwa wenn sie am Strand patrouillieren. "Es gibt keine konkrete Warnung, aber wir kennen die Dynamik in dieser Region und wissen, dass sich die Dinge schnell entwickeln können", sagt Rosenfeld.

Erst am Samstag vor zwei Wochen hatte ein zweitägiger Raketenhagel aus dem Gazastreifen begonnen. Militante Palästinenser von Hamas und Islamischem Dschihad hatten den nahenden Wettbewerb benutzt, um Druck zu machen. Laut palästinensischen Angaben hatte Israel Zusagen wie die Lockerung der Blockade zur Einfuhr von Gütern und Geld gebrochen. Nach 700 Raketen, vier Toten auf israelischer und 25 auf palästinensischer Seite wurde unter ägyptischer Vermittlung ein Waffenstillstand vereinbart.

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