Varoufakis' Botschaft Wahlkampf mit früherem Playboy-Model

Der Wahlkampfauftakt allein lässt wenig Rückschlüsse zu, ob sich DiEM25 bald von Mitgründer Varoufakis emanzipieren kann. Dessen Charisma ist unstrittig, und im Bozar wird er bejubelt, wenn er ein Ende der aktuellen EU-Politik fordert, die er als "Sozialismus für die Banken und Austerität für die Massen" beschreibt. Manche Mitstreiter beeindrucken kaum: Benoît Hamon wurde 2017 von Macron besiegt und erreichte als Präsidentschaftskandidat der Sozialisten nur sechs Prozent.

Keine Frage: Die Internationalität macht die Bewegung besonders und dass neben Varoufakis die Österreicherin Daniela Platsch und der kroatische Philosoph Srećko Horvat auf der deutschen Liste antreten, illustriert die DiEM-Überzeugung, dass Grenzen hinfällig sind - und Grenzzäune vor allem die Unsicherheit der Regierungen offenbaren. Zum unkonventionellen Politik-Ansatz gehört auch, Pamela Anderson zur "Botschafterin" zu erklären und auf die Bühne zu holen.

Pamela Anderson bei der Präsentation des Wahlprogramms von DiEM25: Die Kanadierin setzt ihre Bekanntheit auch für Klimaschutz und soziale Projekte ein.

(Foto: Nicolas Landemard/dpa)

Die 51-jährige Kanadierin ist auf Twitter mit 1,5 Millionen Followern sogar etwas beliebter als Varoufakis und setzt ihre Bekanntheit nicht erst seit ihrem Umzug nach Europa ein für Klimaschutz, die Rechte von Tieren und alternative gesellschaftspolitische Initiativen. Sie fordert die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange und hat Sympathie für die Gelbwesten-Proteste in Frankreich erkennen lassen. Das Ziel von DiEM25, Politik wieder "sexy" zu machen, unterstütze sie gern, wenn so Armut und Fremdenfeindlichkeit vermindert würden, sagt sie.

Die erwartbare Kritik, dass ein ehemaliges Playboy-Model nur wenig politische Expertise haben könne, kontert Philosoph Horvat präventiv damit, dass Andersons Twitter-Angriffe auf Innenminister Matteo Salvini ("Die Entwicklungen in Italien erinnern mich an die 1930er-Jahre") dort für Schlagzeilen gesorgt hätten, wodurch ein ganz anderes Publikum erreicht wurde. Die frühere Karriere sei letztlich egal, findet Hrovat: Entscheidend sei, wer sich jetzt für die richtige Sache engagiere.

Varoufakis' Chancen stehen nicht schlecht

Das sieht Varoufakis ähnlich. Der ehemalige Professor hat nichts dagegen, wenn jemand die eigene Beliebtheit ausnutze, zumal sich so etwas nicht planen lasse. "Mich kennt man doch nur, weil mein Land wirtschaftlich total den Bach hinunter gegangen ist. Ansonsten wäre mein Name nur Studenten ein Begriff, die sich für obskure Wirtschaftsmodelle interessieren", kokettiert er.

Am 26. Mai entscheidet sich, ob der Grieche seine Kritik künftig als Europaabgeordneter vorbringen kann. Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, reicht ein knappes Prozent für ein Mandat. Ein echter Erfolg wäre es für Varoufakis aber wohl nur, wenn auch andere DiEM-Bewerber gewählt werden.

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