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Europawahl:Beeindruckender Sieg der italienischen Sozialdemokraten

Es muss nicht so kommen. Denn es gibt Beispiele, wie man Extremisten besiegt. Matteo Renzi hat gerade eines gegeben. Der junge italienische Regierungschef erzielte mit seinen Sozialdemokraten ein sensationelles Ergebnis. Er erhielt 41 Prozent der Stimmen, fast doppelt so viel wie sein großer Konkurrent, der demagogische Komiker Beppe Grillo. Noch nie hat in Italien eine Partei bei Europawahlen so gut abgeschnitten wie am Sonntag die Sozialdemokraten. Und das in einem Krisenland, das gerade noch zwischen Wut und Verzweiflung schwankte.

Wie hat Renzi das gemacht? Und lässt sich von ihm lernen? Renzi zeigte Courage. Er stellte sich den Europa-Skeptikern und führte einen selbstbewussten, europafreundlichen Wahlkampf. Er bekannte sich zum Euro und zu seriöser Haushaltsführung und sagte den Italienern, dass sie ihr Land nicht Europa zuliebe, sondern für sich selbst reformieren müssten. Renzi suchte die Schuld nicht in Brüssel. Renzi übernahm Verantwortung. Renzi ging rasch Reformen an, auch wenn das in Rom besonders schwer ist. Er verjüngte die politische Klasse. Er weckte Hoffnung, wo lange keine mehr war.

Gewiss: Der junge Wilde aus Florenz ist kein Messias. Er wird noch auf viel Widerstand stoßen. Etwa die Hälfte aller Stimmen in Italien fielen auf europaskeptische Parteien. Doch Renzi hat den Vormarsch Grillos gestoppt. Europa darf ihm dafür dankbar sein.

Es lohnt sich, für die EU zu kämpfen

Das Gegenbeispiel liefert eine romanische Schwester Italiens: Frankreich. Dabei ist die Ausgangslage ähnlich. In beiden Ländern herrschen sozialdemokratische Parteien, die von Populisten gejagt werden. Doch Präsident François Hollande in Paris ging andere Wege als Renzi in Rom. Er zauderte und zagte, hoffte auf ein Wunder des Wachstums statt zu reformieren. Etliche seiner Sozialisten suchten die Schuld an der Krise lieber in Brüssel als zuhause. Sie flirteten mit euro-feindlichen Positionen, ohne sich zu trauen, diese umzusetzen. So überzeugten sie keinen. So siegte Madame Le Pen.

Der Wahlausgang in diesen beiden Staaten demonstriert: Es lohnt sich, für die EU zu kämpfen. Man kann auch mit Europa siegen. Wer jedoch vor den Wölfen scheut, hat schon verloren.