bedeckt München 21°

Europawahl:Drittes Mandatszuteilungsverfahren in Deutschland

Bei den ersten beiden Europawahlen wurde das Verfahren von Victor d'Hondt eingesetzt, später das von Thomas Hare und Horst Niemeyer. Seit der Wahl 2009 wird das Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren verwendet. Das hat sich eigentlich bewährt, der Wegfall der Sperrklausel hat jetzt aber eine Schwäche offenbart, von der Sonneborn profitiert.

Das ist auch deshalb delikat, weil das Bundesverfassungsgericht die Hürden gekippt hat, um die Wahlrechtsgleichheit zu verbessern. Wegen des Wegfalls der Sperrklausel kann es jetzt aber passieren, dass eine Partei mehr als doppelt so viele Stimmen wie eine andere gewonnen hat, sich aber trotzdem mit derselben Zahl an Mandaten begnügen muss. So ist es diesmal jedenfalls den Freien Wählern im Vergleich zu Sonneborn ergangen.

0,62 macht gerundet einen Sitz für Sonneborn

Mittels des Sainte-Laguë/Schepers-Verfahrens hatte der Bundeswahlleiter ermittelt, dass die Verteilung der Mandate trotz der nötigen Rundungen auf ganze Zahlen genau aufgeht, wenn man von einem Divisor von 298 800 ausgeht. Das heißt, dass jede Partei je 298 800 gewonnener Stimmen ein Mandat erhält. Den Freien standen deshalb 1,43 Sitze zu, Sonneborns Partei 0,62 - gerundet macht das für beide Gruppierungen einen Sitz. Bisher kamen nur deutlich größere Parteien ins Parlament, bei ihnen fielen solche Rundungen bezogen auf die Gesamtzahl ihrer Mandate nicht so ins Gewicht - das Problem war deshalb vernachlässigbar. Das hat sich jetzt geändert.

Mit den beiden anderen Verfahren hätte es das Missverhältnis übrigens nicht gegeben. Wären die Mandate nach Hare/Niemeyer verteilt worden, hätte Sonneborn sein Mandat zwar auch bekommen, dafür hätten die Freien aber zwei erhalten. Und bei einer Verteilung nach d'Hondt wäre Sonneborn nach Berechnungen der Experten von Wahlrecht.de leer ausgegangen - und Steinmeier müsste sich nicht grämen.

© SZ vom 31.05.2014
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB