Statistik zur Europawahl Im Durchschnitt 46 Jahre alt

Fast ein Meter lang ist der Stimmzettel für die Europawahl am 26. Mai. Die Wähler können sich für eine von 41 Parteien oder sonstigen politischen Vereinigungen entscheiden.

(Foto: dpa)
  • 1293 Kandidaten und Kandidatinnen treten bei der Europawahl an, für 41 Parteien. Bei manchen ist das Verhältnis der Geschlechter ausgeglichen - bei anderen überhaupt nicht.
  • Manche Parteien treten mit sehr vielen Kandidaten an, obwohl sie kaum Chancen auf einen Sitz im Europaparlament haben.
  • Über alle Parteien hinweg betrachtet sind die Kandidaten im Schnitt etwa 46 Jahre alt.
  • Die meisten Kandidaten mit Doktor- oder Professorentitel stehen auf der Liste der AfD.
Von Michael Hörz

400 Millionen Europäerinnen und Europäer entscheiden über ein neues Parlament. Die ersten von ihnen haben seit Donnerstag die Wahl. In Deutschland treten mehr als 40 Gruppen bei der Europawahl 2019 an. Wir haben die insgesamt 1293 Personen umfassende Kandidaten-Listen genauer betrachtet.

Deutlich mehr Männer als Frauen

Wie sieht das Geschlechterverhältnis aus? Bei Linke, Bündnis Grundeinkommen, Demokratie in Europa und Tierschutzpartei stehen exakt gleich viele Männer und Frauen auf der Liste. Auch bei SPD und Grünen sind die Abweichungen minimal (SPD: 47 Männer, 49 Frauen; Grüne: 19 Männer, 21 Frauen).

Besonders kurios: Die im letzten EU-Parlament mit einem Sitz vertretene Familienpartei tritt für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Das scheint aber nur für Väter zu gelten, denn der Frauenanteil unter den zehn Kandidaten beträgt exakt null Prozent.

Kleine Parteien mit Riesen-Listen

Die FDP hat absolut gesehen die meisten Kandidaten, nämlich 168. Nur die CDU bringt es mit 180 auf noch mehr reguläre Bewerber, doch sie tritt als einzige deutsche Partei mit Landeslisten an. Kleinere Bundesländer wie Bremen oder Hamburg sind damit quasi chancenlos. Gemessen an ihren EU-Wahlergebnissen 2014 scheint die Linke den Umfang ihrer Liste für 2019 am effizientesten gestaltet zu haben: 22 Personen treten an, 2014 schafften es sieben Menschen ins EU-Parlament.

Bei den bisherigen Ein-Personen-Parteien wie etwa Piraten oder ÖDP hat "Die Partei" den größten Kandidatenüberschuss: Sie tritt mit 143 Personen an, doch nur eine einzige Person zog 2014 ins Parlament ein (Martin Sonneborn).

Jung sind vor allem Listen neuer Parteien

Über alle Parteien hinweg betrachtet sind die Kandidaten im Schnitt etwa 46 Jahre alt - die jüngsten Einzelpersonen haben SPD, FDP und "Die Partei" mit je 19 Jahren. Wichtig dabei: Die Kandidatenlisten enthalten nur das Geburtsjahr, somit sind die berechneten Jahre nur Näherungswerte.

Definitiv die älteste Person ist mit 90 Jahren die Spitzenkandidatin der rechtsextremen Partei "Die Rechte", Ursula Haverbeck-Wetzel. Die mehrfach verurteilte Holocaust-Leugnerin ist in ihrer eigenen Liste zugleich die älteste und die jüngste, da einzige Frau.

Dass die Partei Graue Panther mit 62 das höchste Durchschnittsalter hat, verwundert nicht so stark, die jüngste Person auf ihrer Liste ist 53 Jahre alt. Die insgesamt jüngste Partei ist Demokratie Direkt! mit im Schnitt 28 Jahren - sie hat auch mit 23 bis 36 Jahren das schmalste Altersspektrum.

Prof. Dr. parl.

Zu ihren Gründungszeiten galt die AfD als Professorenpartei. Der Anteil akademischer Titel ist dort immer noch hoch: Mit insgesamt 40 Prozent Doktoren- und Professorenanteil führt die AfD klar die Liste an. Auch wenn Vorsicht geboten ist: Es sind stets die Selbstangaben der Kandidaten, speziell bei der AfD wurde schon ein Fall von irreführenden Titeln publik. So hatte Gunnar Beck (Listenplatz 10) sich als Prof. Dr. und Fachanwalt für EU-Recht bezeichnet, was aber keine zutreffende Übersetzung britischer Bezeichnungen ist.

An den Plätzen zwei und drei stehen die Parteien LKR des ehemaligen AfD-Mitglieds Bernd Lucke mit über 30 Prozent Titel-Anteil und die Piratenpartei mit über 20 Prozent Titel-Anteil. Wenn man nur den Professoren-Anteil betrachtet, liegt Luckes LKR mit über 15 Prozent auf Platz 1.

Bei Wählern scheinen sich Titel übrigens zu lohnen. So berechneten die Politikwissenschaftler Thomas Gschwend, Marcel Neunhoeffer und Marie-Lou Sohnius von der Universität Mannheim aus Vergleichsdaten früherer Wahlen, dass ein Professorentitel auf der Liste im Durchschnitt zu einem um etwa 0,9 Prozentpunkte höheren Wahlergebnis für die jeweilige Partei führt.

Da in Deutschland bei der EU-Wahl keine 5-Prozent-Hürde gilt, könnte demnach jeder Professorentitel auf einer Liste einen Sitz mehr im Parlament bedeuten.

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