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Europawahl:Das sind die deutschen Abgeordneten

Europawahl - Brüssel

EU-Parlamentsgebäude in Brüssel: Deutschland hat 96 Sitze im Europäischen Parlament.

(Foto: dpa)

Die kleinen Parteien schicken fast nur Männer und der Altersschnitt sinkt - dank der Grünen - plötzlich unter 50: die deutschen MdEP in Grafiken.

"Wir wirken verstaubt", schreibt die SPD-Politikerin Sawsan Chebli. "Wir müssen jünger, cooler, offener werden", sagt CSU-Chef Markus Söder. Beide führen den Absturz ihrer Parteien bei der Europawahl auf Generationenfragen zurück.

Sie sehen tatsächlich etwas alt aus.

34 der 45 Abgeordneten, die für Union und SPD ins EU-Parlament einziehen, sind älter als 45 Jahre. In beiden Parteien sowie in der AfD sind 45- bis 59-Jährige unter den deutschen MdEP, also Mitgliedern des Europäischen Parlaments, die größte Altersgruppe. Das spiegelt ungefähr das Alter ihrer jeweiligen Wähler wider. Die SPD stellt zwar die jüngste Abgeordnete - doch Delara Burkhardt ist auch die einzige Sozialdemokratin unter 30. Der älteste Parlamentarier ist Klaus Buchner (78), der einzige Abgeordnete der ÖDP.

Dass Union und SPD vor allem bei umweltpolitischen Themen den Draht zu jungen Menschen verloren haben könnten, zeigten zuletzt die Fridays-for-Future-Streiks und der Streit mit dem Youtuber Rezo. Wäre das Wahlalter, wie es SPD, Linke, Grüne und Volt fordern, auf 16 gesenkt worden, hätten wohl vor allem die letzten beiden profitiert.

Die meisten grünen Abgeordneten sind zwischen 30 und 44 Jahre alt. Sie senken den Altersdurchschnitt deutlich: Direkt vor der Wahl waren die deutschen MdEP im Durchschnitt 56 Jahre alt - jetzt sind es etwa 49 Jahre. Das entspricht in etwa dem Altersdurchschnitt im aktuellen Bundestag. Damit sind die Europaparlamentarier nun näher am Altersdurchschnitt der Gesamtbevölkerung, der bei etwa 44 Jahren liegt. Der Altersmedian der deutschen MdEP liegt bei 50 Jahren. Das heißt: Es gibt genauso viele Abgeordnete unter 50 wie über 50 Jahren.

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Parteien auch, was die Geschlechterverteilung betrifft.

Nur bei Grünen und Linken sind die in der Mehrzahl, die sich als Frauen identifizieren. Eine Quote von genau 50 Prozent gibt es bei der SPD, die auch eine Frauenquote im EU-Parlament ausdrücklich fordert, und bei den Freien Wählern. Alle anderen kleinen Partei besetzen ihre jeweils ein bis zwei Sitze mit Männern: Die Partei, Volt, ÖDP, die Familienpartei, die Tierschutzpartei und die Piraten. In der Unterzahl sind als weiblich gemeldete Abgeordnete bei FDP, Union und AfD.

Die Verteilung innerhalb der Parteien ähnelt also der im Bundestag. Insgesamt sind 35 der 96 deutschen MdEP weiblich. Damit liegt die Frauenquote bei 36,5 Prozent - das ist etwas höher als vorher, im Langzeittrend scheint der Frauenanteil der Deutschen aber zu stagnieren. Der Anteil im Bundestag liegt bei 33,1 Prozent.

Obwohl mehr Abgeordnete jünger sind als zuvor, ist nur einer von ihnen Student: der Grüne und zweitjüngste Abgeordnete Niklas Nienaß, 27. Nicht alle Abgeordneten haben ihren Beruf beim Bundeswahlleiter gemeldet, 17 haben einfach nur "MdEP" geschrieben. Andere haben etwa "Jurist" oder "Dipl.-Politikwissenschaftlerin" angegeben, weshalb sich die Berufe schlecht vergleichen lassen. Auffällig ist aber: Abgesehen von denen, die sich offenbar als Berufspolitiker sehen, hat nur eine Handvoll Berufe angegeben, für die man keinen Hochschulabschluss braucht, zum Beispiel ein Steiger aus der AfD oder eine Hotelfachfrau aus der Union. Zwei bezeichnen sich selbst als Hausfrau: die 54-jährige CDUlerin Sabine Verheyen und die 50-jährige AfD-Abgeordnete Christine Anderson.

Passend zu den Berufsangaben sind knapp 22 Prozent der Abgeordneten promoviert oder habilitiert.

Die meisten Profs und Doktoren finden sich bei der AfD, die ursprünglich als "Professorenpartei" galt und gegen deren Spitzenkandidat nun wegen des Verdachts auf Titelmissbrauch ermittelt wird: Er hatte auf der AfD-Liste als "Prof. Dr. Gunnar Beck" gestanden, bis Zweifel an seinem Titel auftauchten. Unter den Wählern der AfD sind die wenigsten solche mit Hochschulabschluss, beliebter sind die Rechtspopulisten unter Wählern mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife. Anteilsmäßig haben unter den Grünen die wenigsten einen Titel angegeben - obwohl die wiederum unter Wählern mit Hochschulabschluss am beliebtesten sind.

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