Umfrage zur Europawahl Brexit-Partei stärker als Labour und Tories zusammen

Nigel Farage, EU-Abgeordneter für Großbritannien und Vorsitzender der Brexit-Partei, im Wahlkampf für seine Partei

(Foto: Danny Lawson/dpa)
  • 34 Prozent der Wähler in Großbritannien würden bei der Europawahl für die im Januar gegründete Brexit-Partei stimmen, hat eine Umfrage ergeben.
  • Damit würde die Partei unter der Führung von Nigel Farage nicht nur am meisten Stimmen bekommen, sondern auch mehr als die Tories und die Labour-Partei zusammen.

Bei der Europawahl in Großbritannien droht den etablierten Parteien eine historische Niederlage. Einer Umfrage des Instituts Opinium für die Zeitung Observer zufolge kann die neue Brexit Partei (BP) auf 34 Prozent der Stimmen hoffen. Die Labour-Partei würde demnach mit 21 Prozent weit abgeschlagen auf Platz zwei landen. Bisherigen Umfragen zufolge lagen die beiden Parteien nah beieinander.

Die Liberaldemokraten, die sich für ein zweites Brexit-Referendum in der Hoffnung auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU aussprechen, kommen in der Umfrage auf zwölf Prozent. Erst auf Rang vier folgen die Tories um Regierungschefin Theresa May mit elf Prozent.

Die Brexit-Partei spricht sich, wie der Name schon sagt, explizit für einen Austritt Großbritannniens aus der EU aus. Die Bewegung fand sich erst Anfang des Jahres zusammen. Kurz darauf trat Nigel Farage an ihre Spitze, der sich schon als Vorsitzender der "Partei für die Unabhängigkeit des Vereinigten Königreichs" (Ukip) für einen EU-Ausstieg stark gemacht hatte. Eine zugelassene Partei wurde die BP erst vor vier Wochen. Seit der Brexit verschoben wurde, sind die Umfragewerte der Brexit-Partei stetig angestiegen.

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Farage scheint es zu gelingen, einen Großteil der Brexit-Befürworter hinter sich zu scharen. Die Stimmen von proeuropäischen Wählern hingegen verteilen sich auf mehrere Parteien, unter anderem auf Labour, die Liberaldemokraten und die neu gegründete Partei Change UK.

Bei der Europawahl 2014 im Vereinigten Königreich hatte Ukip 26,8 Prozent der Stimmen erzielt. Labour kam damals auf 24,7 Prozent, die Tories auf 23,3 Prozent, die Liberaldemokraten auf 6,7 Prozent.

Ursprünglich war der EU-Austritt Großbritanniens für Ende März dieses Jahres geplant. Nach einem gewährten Aufschub bleibt das Vereinigte Königreich nach derzeitigem Stand aber bis höchstens Ende Oktober in der EU und nimmt deshalb noch an der Wahl des Europäischen Parlaments teil. Die Wahl ist für den Zeitraum vom 23. bis 26. Mai terminiert. In Großbritannien findet sie gleich am ersten Tag statt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis wie die Erhebung im Observer kommt auch die britische Wirtschaftszeitung Financial Times in einer Analyse mehrerer Umfragen. Demnach werden die meisten konservativen Wähler bei der Europawahl zu mehr euroskeptischen Parteien übergehen; und mehr als ein Viertel der eigentlichen Labour-Anhänger entscheide sich für Parteien, die für den Verbleib Großbritanniens in der EU waren. Auch hier ist die Brexit-Partei führend, die Analyse beziffert deren Stimmanteil mit 29 Prozent allerdings etwas niedriger; die der etablierten Parteien dagegen etwas höher: Labour liegt bei 25 Prozent der Stimmen, die Tories bei 14 Prozent.

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