Europameisterschaft:Die große Welt des Fußballs

Bandenwerbung auf Chinesisch? Was ist da los bei der EM?

Von Lea Sahay, Peking

Endlich wieder Fußball. Auch wer kein hartgesottener Fan ist, mag sich nach zermürbenden Corona-Monaten über das bisschen Zerstreuung freuen, das die Europameisterschaft bietet. "Das Runde muss ins Eckige" ist deutlich einfacher als so manche Corona-Regel.

Ganz abzuschalten, gelingt aber nicht jedem Zuschauer. Zumindest fiel am Mittwoch vielen Fans vor allem eine Sache beim Spiel des deutschen Teams gegen Ungarn auf (neben der anfälligen deutschen Defensive): die viele Bandenwerbung auf Chinesisch, die wild diskutiert auf Twitter auch für japanische Werbung gehalten wurde.

Zu sehen war zum Beispiel die Werbung vom Onlinebezahldienst Alipay des Handelskonzerns Alibaba, der - auf Chinesisch wohlgemerkt - feierlich den Beginn der "Reise des Europameisterschaftspokals" ankündigte. Der Konzern hat einen achtjährigen Vertrag mit der Uefa, auch 2024 werden seine blauen Banner im Fernsehen zu sehen sein. Etwas weniger poetisch kam die Werbebotschaft des Elektrokonzerns Hisense daher. Dieser forderte schlicht: "Kauf einen Fernseher". Bei der EM 2016 war das Unternehmen der erste chinesische Konzern überhaupt, der sich mit der Uefa auf ein Sponsoring einigte. Auch bei der WM 2018 warb der Hersteller.

Ein kleines bisschen Kränkung darf man bei dem einen oder anderen Zuschauer aus Europa schon vermuten. Dieser mag die Bandenwerben zwar normalerweise ignorieren, lesen können will man sie dann anscheinend bei der EM im eigenen, na ja, Staatenverbund doch ganz gerne. Dieses Jahr zeigen aber nicht nur die elf Austragungsorte, sondern eben auch die Bandenwerbung, dass aus der EM längst eine globale Veranstaltung geworden ist.

Besonders im fußballverrückten China ist das Interesse an den europäischen Kickern riesig. Dort ist es beim Anstoß zwar in der Regel tief in der Nacht. Trotzdem schalten viele Chinesen ein. Allein beim EM-Finale 2016 waren es 56 Millionen Menschen - mehr als in jedem europäischen Land. Und die große Zuschauerschaft ist wiederum nicht nur für die Uefa, sondern eben auch für chinesische Werbekunden interessant.

Während sich europäische Sponsoren im Corona-Jahr zurückhielten (Volkswagen ist der einzige Geldgeber aus der EU), waren andere schlicht großzügiger. Neben China unterstützen Konzerne aus Russland und der arabischen Welt. Das mag man mit Blick auf die politische Lage in diesen Ländern fragwürdig finden. Als milliardenschwerer Konzern ist der Uefa aber herzlich egal, woher ihr Geld stammt. Keine ganz untypische Haltung in der Sportwelt, in der Fußballweltmeisterschaften nach Katar und Olympische Spiele nach Peking vergeben werden.

Auch das enge Verhältnis zwischen europäischen Fußballvereinen und China ist nicht neu. Das Land mit seinen Millionen Fußballfans ist für viele der wichtigste Wachstumsmarkt. Borussia Dortmund war 2018 der erste Bundesligist, der auf virtuelle Bandenwerbung setzte. Diese wird am Computer erzeugt, sodass Fans im Signal-Iduna-Park andere Werbung sehen als die Fernsehzuschauer in China. Anzeigen je nach Weltregion, die dann jeder Fußballfan lesen oder einfach wieder ignorieren kann.

© SZ
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