Europakritische Partei in Großbritannien:"Knallchargen, Spinner und verkappte Rassisten"

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Die vielen Vorfälle werfen die Frage auf, ob Premier David Cameron nicht doch recht hatte, als er die Ukip-Mitglieder vor einigen Jahren zu deren großem Ärger als "Knallchargen, Spinner und verkappte Rassisten" bezeichnete.

Dennoch wird die Partei jüngsten Umfragen zufolge bei den Europawahlen im Mai mit 26 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft in Großbritannien hinter der oppositionellen Labour-Partei - und noch vor Camerons konservativen Tories. Für den Premier sind das beunruhigende Perspektiven, denn zwölf Monate später muss er sich der britischen Unterhauswahl stellen. Würde Farages Partei viele Stimmen im konservativen Lager abfischen, wäre ein Erfolg der Tories unwahrscheinlich.

Allerdings konnte die 1993 von Farage mitgegründete Ukip ihre Erfolge bei EU-Wahlen auf nationaler Ebene bisher nicht wiederholen. 2010 erreichte sie bei den Parlamentswahlen drei Prozent und blieb ohne Mandat nach einem 16-Prozent-Ergebnis bei den Europawahlen ein Jahr zuvor. Die Ukip gilt als muntere Protestpartei, der die Wähler in wichtigen Abstimmungen die Stimme lieber doch verweigern.

Personal soll genau unter die Lupe genommen werden

Farage will das ändern, weshalb er ankündigte, die Partei solle seriöser werden. Der 49-Jährige möchte der Ukip ein neues Programm verpassen; das alte von 2010 bestehe aus 486 Seiten "Gefasel" und enthalte viel Unsinn. Unter anderem wird eine Uniformpflicht für Taxifahrer gefordert.

Wichtiger noch, als das Programm neu zu schreiben, ist das jüngste Vorhaben der Partei, mögliche Kandidaten für die Wahlen 2015 genau unter die Lupe zu nehmen. In der Vergangenheit habe es beim Personal "Enttäuschungen" gegeben, formulierte Farage vorsichtig, um seinen eigenen Leuten nicht auf die Füße zu treten, und fügte an: "Es ist ganz natürlich, dass eine neue Partei alle möglichen Leute anzieht." Man habe es in der Vergangenheit nicht immer geschafft, Traumtänzer auszusieben.

Um künftig keine weiteren Überraschungen wie die Enttarnung des mutmaßlichen Entführers und Erpressers Bhutto zu erleben, veranstaltet die Ukip künftig tagesfüllende Auswahlseminare. Die Kandidaten für die Europawahl sind bereits durchleuchtet worden, unter anderem über die Profile bei sozialen Netzwerken. Zudem ließ sie einen eigens angeheuerten Boulevard-Journalisten bei den Politikern anrufen - die Partei wollte auf diese Weise feststellen, wie die Kandidaten auf unangenehme Medienanfragen reagieren.

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