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Brexit-Votum:Die EU muss die Briten gehen lassen

Katerstimmung nach dem Brexit-Referendum: Wie es nun weitergeht, das liegt noch im Unklaren und sollte allein Sache der Briten sein.

(Foto: AFP)

Gehen, bleiben oder eines Tages zurückkehren - das ist Sache der Briten. Die EU kann nicht auf Dauer um den Fall Großbritannien kreisen. Sie hat jetzt anderes zu tun.

Noch sind Briten und Europäer eins. Das ist keine Floskel, sondern eine Tatsache, die sich schon daran ablesen lässt, dass beide sich mit derselben Sache beschäftigen. Die Briten blicken auf die Scherben, die das Brexit-Referendum hinterlassen hat. Nichts anderes tun die übrigen Europäer.

Wenn die Staats- und Regierungschefs an diesem Dienstag - vielleicht zum letzten Mal - mit David Cameron zusammenkommen, wird es darum gehen, was er angerichtet hat. Die Umgangsformen im Kreis der Chefs sind zwar für gewöhnlich höflich, aber Tortur bleibt Tortur.

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Cameron muss noch einmal mit jenen speisen, denen er bis an die Grenze des Erträglich auf die Nerven gegangen ist. Mit jenen, die sich um Flüchtlingsströme sorgten oder Kriege oder Finanzkrisen, und die doch geduldig Camerons Sonderwünsche ertrugen. Cameron verdient eher kein Mitleid, aber der bestgehasste Mann am Tisch zu sein, ist sicher nicht angenehm.

Es wird kaum möglich sein, die Reaktion der EU-Staaten nach einer Kampagne voller Lügen zu trennen von der Reaktion auf den Menschen Cameron. Die Staats- und Regierungschefs werden sich fragen, wozu sie im Februar einen Deal mit Cameron ausgehandelt haben, der seinen Wünschen entgegenkam und doch im Wahlkampf keine Rolle spielte.

Schaden von der EU abwenden

Sie werden sich daran erinnern, dass der Brite sich jegliche Unterstützung von außen verbeten hat, nur um dann seinen eigenen, kümmerlichen Einfluss verspüren zu müssen. Unvergessen, dass EU-Politik über Monate nach dem Prinzip "Rohes Ei" betrieben werden musste: nur nichts tun, woran sich die Briten stoßen könnten. Geduld ist zwar ein erneuerbarer Rohstoff, aber für den britischen Bedarf kann er gar nicht schnell genug nachwachsen.

Vielleicht sollte es mit der Geduld nun auch ein Ende haben. Durch das Referendum ist eine neue Situation entstanden. Zwar bleibt Großbritannien bis zu einem Austritt Vollmitglied, schon deshalb, weil es in der EU keine Teilmitgliedschaften gibt. Das ändert aber nichts an der Schutzverantwortung der verbleibenden 27 Staaten für das restliche Unionsgebilde. Das Referendum mag nicht bindend sein, aber politisch hat es die EU bereits verändert. Die Aufgabe der 27 ist es nun, Schaden von der künftigen EU abzuwenden.