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Europäische Union:"Folgen der Tragödie begrenzen"

Die EU engagiert sich nach der Explosionskatastrophe auf verschiedene Weise in Libanon. Hilfsgelder sollen allerdings an die UN und andere internationale Organisationen fließen, nicht an die Regierung.

Von Karoline Meta Beisel, Brüssel

In der Ferienzeit vertreten sich Arbeitskollegen gegenseitig, da halten es die EU-Institutionen nicht anders als mittelständische Betriebe. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weilt bis Ende der kommenden Woche im Urlaub, und so war Ratspräsident Charles Michel der erste, der am vergangenen Wochenende nach Libanon reiste, um sich persönlich ein Bild von der Zerstörung zu machen, welche die Explosion von 2750 Tonnen Chemikalien in Beirut hinterlassen hat. Er besichtigte die Unglücksstelle im Hafen und ein Krankenhaus, traf Rettungskräfte, den Präsidenten und den Premierminister. "Ihr seid nicht alleine, die EU will an eurer Seite stehen", richtete er sich an die Bürger des Landes. Auch langfristig werde man Libanon unterstützen.

Von der Leyen half aus dem Urlaub per Telefon dabei, diese Unterstützung zu organisieren. Deren jüngstes Element ist ein von der Kommission finanzierter Flug, der am Donnerstagmorgen mehr als 17 Tonnen Hilfsgüter, Medikamente und medizinisches Material nach Beirut brachte, beschafft von den Vereinten Nationen und Ärzte ohne Grenzen. Diese "Luftbrücke" solle dabei helfen, die medizinische Versorgung weiter zu verbessern, sagte Katastrophenschutz-Kommissar Janez Lenarčič.

Mitte der vergangenen Woche, am Tag nach der Explosion, hatte die EU auf Bitten Libanons den Zivilschutzmechanismus aktiviert, über den die EU-Kommission Hilfe aus den Mitgliedsländern koordiniert und auch einen Gutteil der Kosten dafür übernimmt. Etwa 300 Such- und Rettungskräfte aus Deutschland, Frankreich und anderen EU-Ländern machten sich auf den Weg nach Beirut - die meisten von ihnen sind inzwischen wieder auf dem Heimweg. Alle entsprechenden Anfragen aus Beirut seien erfüllt worden, teilte die EU-Kommission mit.

Andere Teams kommen gerade erst an der Unglücksstelle an. So hatte etwa Frankreich Anfang der Woche zwei Schiffe beladen mit Lebensmitteln, Baumaterial und Lösch- und Rettungsfahrzeugen losgeschickt. Italien, Frankreich, Zypern und Dänemark schickten Schutzkleidung, Kroatien und Norwegen, das sich am EU-Zivilschutzmechanismus beteiligt, Operationsbedarf. Insgesamt hätten EU-Länder mehr als 50 Millionen Tonnen medizinische Güter und Schutzanzüge geliefert, Tausende Atemschutzmasken seien noch auf dem Weg.

Auch finanziell unterstützt die EU die Aufbauarbeiten in Beirut. Bereits vergangene Woche hatte die EU-Kommission 33 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt, bei einer internationalen Geberkonferenz am vergangenen Wochenende erhöhte Kommissar Lenarčič diese Summe um weitere 30 Millionen. Das Geld solle über Organisationen der Vereinten Nationen und andere Internationale Organisationen ausgezahlt werden.

Zuvor hatten von der Leyen und Michel die Mitgliedsländer in einem Brief aufgefordert, Libanon weiter zu unterstützen. "Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, jetzt tätig zu werden, um die Folgen dieser Tragödie zu begrenzen", hieß es darin.

© SZ vom 14.08.2020

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