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Europa:Generation arbeitslos

Lehrlingsausbildung

Ein junger Mann lässt sich Handgriffe erklären. In vielen Ländern drücken Lehrlinge vor allem die Schulbank.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Falsch ausgebildet? In vielen Ländern drücken Lehrlinge vor allem die Schulbank. Eine neue Studie untersucht, warum Millionen junge Europäer keinen Job finden.

Von Kristiana Ludwig, Berlin

Rund 7,5 Millionen junge Europäer sind arbeitslos. Und ganz gleich, ob es wie in Deutschland und in der Schweiz weniger als zehn Prozent der jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren waren, die 2014 einen Job suchten, oder wie in Portugal und Italien bis zu 40 Prozent - dass am europäischen Stellenmarkt etwas nicht stimme, sei überall spürbar. Das sagen die Autoren einer Studie, die die "Berufsausbildung für Europas Jugend" miteinander vergleicht.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat, unter anderem gefördert von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, in sieben Ländern analysiert, warum Jugendliche keinen Job finden. Ihr Ergebnis: Häufig haben sie Schulen statt Werkstätten besucht. Sie lernen die Betriebe, bei denen sie sich später bewerben sollen, nicht vorher kennen. Das erschwere es ihnen, sich passgenau für einen Beruf zu qualifizieren.

In Italien oder Portugal seien die Arbeitslosenquoten auch deshalb so hoch, weil Ausbildung vor allem am Schreibtisch stattfinde. Zudem seien Berufsausbildungen in den europäischen Gesellschaften oft zu wenig anerkannt, sagt Dirk Werner vom IW Köln. Junge Leute wollten lieber studieren, weil sie sich damit bessere Chancen ausrechneten.

Das betreffe auch Deutschland, wo die Arbeitslosigkeit zwar vergleichsweise niedrig sei, dafür aber Lehrstellen unbesetzt blieben. Hier wie anderswo fehle den Ausbildungen die "Durchlässigkeit", sagt Werner.

Wer nach einem Berufsabschluss noch studieren will, muss in der Regel erst drei Jahre Berufserfahrung in einem verwandten Gebiet gesammelt haben, bevor er sich an einer Hochschule einschreiben darf. "Das sollte man streichen." In Polen funktioniere dies wesentlich besser, fand das IW heraus: Hier erwerben Auszubildende auch eine Zugangsberechtigung für die Universitäten. Dies sei ein "hoher Akzeptanzfaktor".

Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sollten in der Konzeption der Ausbildungen besser zusammenarbeiten, ergänzt Stiftungssprecher Michael Guggemos - damit Ausbildungsprogramme für den Arbeitsmarkt funktionieren.

Ein Ergebnis der Studie ist zudem, dass Azubis mobiler werden sollten. Während Europas Studenten bereits in den ersten Semestern Kurse in unterschiedlichen Länder besuchten, schafften es etwa deutsche Jugendliche oft nicht einmal, einige Hundert Kilometer vom Heimatort entfernt in die Lehre zu gehen. Das liege auch daran, sagt Werner vom IW, dass Unternehmen bei ihrer Suche nicht den Radius vergrößerten.

© SZ vom 22.10.2015

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