"Eurofighter"-Unglück in Mecklenburg-Vorpommern Absturz über der Seenplatte

  • In Mecklenburg-Vorpommern sind zwei Eurofighter nach einer Kollision in der Luft abgestürzt.
  • Die Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz befreien. Einer von beiden wurde gerettet, der andere konnte nur tot geborgen werden.
  • Der Zusammenstoß ereignete sich über einem beliebten Feriengebiet, Menschen oder Häuser wurden nicht getroffen.
Von Peter Burghardt, Jabel, und Joachim Käppner

An einem stillen Waldrand zwischen Kiefern liegt das Wrack eines der beiden Eurofighter , unter dichtem Löschschaum der Feuerwehr an der Landstraße L 205 bei Jabel in Mecklenburg-Vorpommern. Der andere Kampfjet der Bundeswehr ist wenige Kilometer weiter abgestürzt, bei Nossentiner Hütte; beide Orte sind Teil der Mecklenburgischen Seenplatte.

Bei schönstem Sommerwetter waren die beiden Flugzeuge am frühen Montagnachmittag bei einem Testflug über Seen und Wälder zusammengestoßen. Beide Piloten lösten den Schleudersitz aus, aber nur einer rettete sich mit dem Fallschirm, er wurde verletzt in einer Baumkrone gefunden. Der andere konnte nach Angaben der Luftwaffe nur tot geborgen werden. Die beiden Maschinen waren am Flughafen Rostock-Laage gestartet, sie gehören zum Taktischen Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff". Auch ein dritter Eurofighter war an der Übung beteiligt, sein Pilot meldete das Unglück.

Verteidigungspolitik Zwei Eurofighter abgestürzt - ein Pilot tot
Mecklenburg-Vorpommern

Zwei Eurofighter abgestürzt - ein Pilot tot

Die Kampfflugzeuge waren bei einer Übung kollidiert. Einer der Piloten konnte sich retten, der zweite nur noch tot geborgen werden.

Nahe des Fleesensees stiegen Rauchsäulen in den blauen Himmel, Urlauber machten Fotos, es kursiert auch ein Video. Kurz danach waren Einsatzwagen der Rettungskräfte unterwegs, Hubschrauber kreisten. Feuerwehrleute aus den umliegenden Orten löschten die Brände, von giftigem Rauch an den Flugzeugresten war die Rede, und die Waldbrandgefahr ist angesichts der Wärme und Trockenheit erheblich. Außer der Polizei und den Ersthelfern trafen dann auch Feldjäger ein, die Unfallzone wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) flog am späten Nachmittag zu den Unglücksstellen, begleitet vom Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, und Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU). "Heute ist der Tag der Trauer und des Schmerzes über den Verlust unseres Soldaten und Piloten", sagte von der Leyen, "diesen Schmerz teilen wir mit den Angehörigen." Das schreckliche Ereignis werfe viele Fragen auf, die Ministerin versprach Aufklärung. Da die Aufarbeitung des Unglücks in der Zuständigkeit der Luftwaffe liege, seien alle Ermittlungen der Bundeswehr übergeben worden, gab das Polizeipräsidium Neubrandenburg bekannt. Die Kollision ereignete sich über einem beliebten Feriengebiet, es hätte noch viel schlimmer kommen können, auch wenn die Region dünn besiedelt ist und neben den Gewässern vor allem über weite Wälder und Felder verfügt. Während des Einsatzes waren unweit der Absturzstelle Fahrradfahrer und Badegäste unterwegs. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Nossentiner Hütte, Birgit Kurth, berichtete von einzelnen Trümmerteilen auf dem Sportplatz und dem Friedhof. Ein Eurofighter war nebenan auf einen Acker gestürzt, auch Augenzeugen am Drewitzer See hatten den Zusammenstoß beobachtet. Menschen oder Häuser wurden von den Trümmern nicht getroffen.

Auch waren die Eurofighter laut Luftwaffe nicht bewaffnet. Die Polizei warnte dennoch, sich von den gefährlichen Teilen fernzuhalten. Anwohner reagierten verblüfft bis entsetzt auf das Flugmanöver mit tragischem Ende. "Das ist jetzt wieder Kriegsgebiet", spottete ein Passant in Jabel und berichtete von häufigen Tiefflügen über dem Nationalpark. "Es hätte ja auch einen Biergarten treffen können", sagte eine Frau. Es gab eine Zeit, da waren Abstürze bundesdeutscher Kampfjets traurige Gewohnheit: So verlor die Luftwaffe bis in die Achtzigerjahre 269 F-104 Starfighter durch Abstürze und Unfälle. 116 Piloten starben, wahrscheinlich aufgrund unzureichender Ausrüstung für zu viele Aufgaben. Der Eurofighter Typhoon, eine Gemeinschaftsproduktion von Deutschland, Großbritannien und weiteren europäischen Staaten, ist wesentlich zuverlässiger und bildet heute das Rückgrat der deutschen Luftverteidigung, mit 140 Maschinen dieses Typs. Jede davon kostet 100 Millionen Euro, bis Montag war keines dieser Flugzeuge abgestürzt.

Der Eurofighter, noch während des Kalten Krieges konzipiert und von 2003 an mit der üblichen dornenreichen Beschaffungsgeschichte eingeführt, ist ein einsitziges, "allwetterfähiges Mehrzweckkampfflugzeug". Er gilt, ausgerüstet mit einer Bordkanone und Luft-Luft-Raketen, als eines der leistungsstärksten Jagdflugzeuge, kann aber außerdem viele andere Aufgaben wahrnehmen. Seit 2017 sind die deutschen Maschinen auch mit Lenkbomben gegen Bodenziele ausgerüstet.

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Das Geschwader "Steinhoff" aus Laage ist mit anderen Jagdverbänden auch für die Sicherung des deutschen Luftraums zuständig. 2018 unterstützten Eurofighter aus Laage die baltischen Nato-Staaten bei der Luftraumüberwachung. Zumindest mit diesem Flugzeug besitzt die Bundeswehr ein modernes, wenn auch sehr teures Waffensystem. Ein Experte erklärte seine Fähigkeiten so: "Während des Fluges kann er quasi per Knopfdruck von einer Rolle in die andere wechseln. Der Eurofighter kann als Jagdflugzeug starten, im Einsatzgebiet eine Aufgabe als Jagdbomber oder Aufklärer übernehmen und anschließend wieder in die Luft/Luft-Rolle zurückkehren, und das alles in derselben Mission."

Das zweite Kampfflugzeug der Luftwaffe, der Tornado, sieht hingegen der Ausmusterung entgegen; derzeit fliegen Tornados für die Anti-IS-Koalition Aufklärungsflüge im Nahen Osten. Viele Piloten wünschen sich, die Maschinen durch die jüngste Generation Eurofighter zu ersetzen.

Die Eurofighter GmbH gab einmal den Slogan aus: "Eurofighter Typhoon - Nothing comes close." Wegen seiner Wendigkeit und Beschleunigungskraft ist der Eurofighter auch auf den klassischen Luftkampf ausgelegt, bei dem jede Maschine versucht, hinter der anderen in Schussposition zu kommen - bei einer solchen Übung soll jetzt das Unglück geschehen sein.

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