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Eurofighter-Absturz:Kann die Luftwaffe überall fliegen?

Was haben die verunglückten Bundeswehr-Piloten geübt? Wer ermittelt jetzt? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum "Eurofighter"-Unglück.

Bei Luftkampfübungen sind am Montag zwei Eurofighter über der Mecklenburgischen Seenplatte zusammengestoßen und mehrere Kilometer voneinander entfernt abgestürzt. Ein Pilot wurde getötet, der zweite überlebte das Unglück und wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Zivile Opfer und größere Schäden gab es zum Glück nicht. Der Unfall wirft viele Fragen auf - vor allem für Laien, einige davon versucht die SZ zu beantworten.

Was haben die "Eurofighter"-Piloten geübt, als es zum Unglück kam?

Bei dem Manöver ging es darum, den Luftkampf zu üben. Drei Eurofighter vom Taktischen Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff" in Laage bei Rostock waren beteiligt. Dort wird auch die Erstausbildung der Piloten auf dem Eurofighter durchgeführt. Eine Maschine bekam die Rolle des Eindringlings in den Luftraum zugewiesen. Die beiden anderen hatten den Auftrag, den feindlichen Flieger abzufangen. Die Maschinen führten keine Bewaffnung mit. Die Piloten gehen bei solchen Manövern an ihr Limit.

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Nach Absturz

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Nur knapp hat ein Wrackteil von einem der abgestürzten Eurofighter das Gelände eines Kindergartens verfehlt. Die Bürgermeisterin einer betroffenen Gemeinde fordert, die Notwendigkeit der Übungsflüge zu prüfen.

Wie kam es dann zu dem Unfall?

Bisher weiß man, dass die beiden Unglücksmaschinen bei dem Manöver kollidiert und danach abgestürzt sind. Beide Piloten lösten den Schleudersitz aus, nur einer überlebte das Unglück. Den genauen Hergang zu ermitteln, das ist nun Aufgabe der Abteilung General Flugsicherheit. Sie ist im Luftfahrtamt der Bundeswehr angesiedelt.

Was weiß man über die Piloten?

Der Pilot, der bei dem Unglück ums Leben kam, war ein 27-jähriger Oberleutnant. Er hat bis dahin insgesamt etwa 400 Flugstunden absolviert, davon etwa 100 auf dem Eurofighter. Der Pilot der zweiten Unglücksmaschine ist ein erfahrener Fluglehrer mit mehr als 3500 Flugstunden, davon 1900 auf dem Eurofighter. Der Oberstleutnant wird in einem Rostocker Krankenhaus behandelt, sein gesundheitlicher Zustand gilt als stabil.

Wrackteile sind neben einem Kindergarten gefunden worden. Kann die Luftwaffe überall fliegen?

Nein. Über Deutschland verteilt gibt es acht sogenannte "Übungslufträume", die vornehmlich für Luftkampf- und Abfangübungen genutzt werden. Manche davon werden bei Bedarf ausschließlich für den Militärbetrieb vorgehalten, andere bestehen dauerhaft. Das Gebiet, in dem die Jets über Mecklenburg-Vorpommern fliegen, kann jeden Tag wechseln. Vom Stützpunkt Laage bei Rostock starten Eurofighter etwa 20 Mal pro Tag.

Könnte die Luftwaffe nicht einen Bogen um bewohntes Gebiet machen und beispielsweise nur noch über dem Meer üben?

Die Luftwaffe versucht bereits, wenig Raum in Anspruch zu nehmen. Die Piloten-Grundausbildung findet beispielsweise in den USA statt. Auch Simulatoren spielen eine wichtige Rolle. Einerseits um die Belastung für die Bevölkerung durch Fluglärm gering zu halten, andererseits um Kosten zu sparen. Eine Flugstunde mit dem Eurofighter kostet etwa 70 000 Euro. Großübungen finden regelmäßig im Ausland statt. Und auch über dem Meer wird längst geübt. Die Piloten müssen auf mindestens 140 Flugstunden im Jahr und weitere 40 Stunden in einem Simulator kommen. Dennoch, so argumentiert die Luftwaffe, bräuchten die Piloten "realitätsnahes" Training. Gerade nachdem sich die Bundeswehr wieder stärker der Landes- und Bündnisverteidigung zuwendet, gelten Manöver wie jenes vom Unglückstag als unbedingt erforderlich.

Kommen die Zeiten zurück, als ständig Tiefflieger über die Köpfe donnerten?

Davon ist nicht auszugehen. Die Luftwaffe ist seit dem Ende des Kalten Krieges beachtlich geschrumpft, militärische Flugplätze wurden geschlossen. Allein was die Tiefflüge angeht, ist die Zahl der Flugstunden von 76 600 im Jahr 1990 auf unter 1000 zurückgegangen. Der militärische Flugbetrieb hat in den vergangenen 25 Jahren um 90 Prozent abgenommen. Die Luftwaffe hat nach Jahren des Sparens damit zu kämpfen, ihre Jets überhaupt einsatzfähig zu halten. Der "Klarstand" liege derzeit für die etwa 140 Eurofighter bei 60 Prozent, sagte ein Ministeriumssprecher.

Waren die Piloten mit alten Maschinen unterwegs?

Keineswegs. Die beiden Unglücksmaschinen gehörten zur zweiten Tranche der Eurofighter, die die Luftwaffe angeschafft hat. Sie stammen aus dem Jahr 2010 und waren auf einem modernen Stand der Technik. Die Bundeswehr ist zufrieden mit den Eurofightern und erwägt, weitere Maschinen anzuschaffen. Der Eurofighter gilt als sicheres Kampflugzeug.

Wer ermittelt jetzt?

Der General Flugsicherheit hat die Ermittlungen übernommen. Vergleichbar der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) gilt er als unabhängige Instanz und verfügt in seinen Reihen mit Piloten, Technikern und Wissenschaftlern über die Experten, die in der Lage sind, solche Unglücke aufzuklären. Der General Flugsicherheit fertigt einen Flugunfallbericht an, der gegebenenfalls der Staatsanwaltschaft die Grundlage für ein späteres Verfahren liefert. Mehr als 300 Bundeswehrangehörige, darunter auch Feldjäger, haben die Unglücksstelle gesichert. Sie ersetzten die gut 200 Polizeibeamten, die am Montagnachmittag unmittelbar nach der Flugzeugkatastrophe mit der Suche nach den Piloten und der Sicherung der Unglücksorte begonnen hatten, dann aber abgezogen wurden.

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