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Türkei und der "Sofagate"-Streit:"Es war nicht unsere Schuld, dass dieses Bild entstanden ist"

FILE PHOTO: German Foreign Minister Maas and his Turkish counterpart Cavusoglu give statements to the media following a meeting at the foreign ministry in Berlin

Zu Gast in Berlin: der türkische Außenminister Mevlut Çavuşoğlu

(Foto: REUTERS)

Der türkische Außenminister Çavuşoğlu positioniert sich bei seinem Berlin-Besuch klar - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Europäische Union.

Von Daniel Brössler, Berlin

Die Türkei hat wegen der als "Sofagate" bekannt gewordenen protokollarischen Verwicklungen bei einem Besuch der EU-Spitzen in Ankara Anfang April schwere Vorwürfe gegen die Europäische Union und gegen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erhoben. "Es war nicht unsere Schuld, dass dieses Bild entstanden ist", betonte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu am Donnerstag bei einem Besuch in Berlin.

Nur ein Streit zwischen dem Europäischen Rat und der EU-Kommission habe dazu geführt, dass von der Leyen auf dem Sofa und nicht wie Ratspräsident Charles Michel auf einem eigenen Sessel neben dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan habe Platz nehmen dürfen. Deutlich wies der Minister die Darstellung von der Leyens zurück, sie sei als Frau zurückgesetzt worden. "In unseren protokollarischen Regeln wird nicht unterschieden zwischen Mann und Frau", betonte er.

Im EU-Parlament hatte von der Leyen geklagt, sie habe sich "verletzt und alleingelassen" gefühlt "als Frau und als Europäerin". Er finde es "sehr bedauerlich", dass von der Leyen den wahren Hintergrund kenne und trotzdem von einer Schlechterbehandlung als Frau spreche, sagte Çavuşoğlu.

Tatsächlich sei die Sitzordnung auf Wunsch der Protokollbeamten des Rates gewählt worden. Vertreter der EU-Kommission seien nicht beteiligt gewesen. Er selber sei von der Regelung "überrascht" gewesen. Das Verhalten von Rat und Kommission sei "beschämend", kritisierte Çavuşoğlu. "Den Streit, den sie untereinander austragen, sollten sie nicht auf die Türkei abwälzen", forderte er. So seien die wichtigen inhaltlichen Fragen in den Hintergrund gerückt.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) betonte den Wunsch nach einer Verbesserung der Beziehungen zwischen EU und Türkei. Hier gebe es "konstruktive Wege nach vorne", sagte Maas. Er sei überzeugt, dass es möglich ist, etwa beim Streit zwischen der Türkei und den EU-Ländern Griechenland und Zypern um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer "zu Lösungen zu kommen".

Çavuşoğlu unterstrich das Interesse an einer Rückkehr deutscher Touristen in die Türkei. Alle notwendigen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie würden getroffen. So würden alle Beschäftigten im Tourismusbereich bis Ende Mai geimpft. "Wir wollen, dass im Sommer so viel Urlaub möglich ist wie eben verantwortbar", sagte Maas.

© SZ/stad
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