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EU:Szenarien für eine Impfung

„So schnell wie möglich einsetzen“: Die EU bereitet das Impfen vor.

(Foto: DOUGLAS MAGNO/AFP)

Brüssel ruft die Mitgliedsländer auf, frühzeitig die Kriterien festzulegen. So sollten die Länder etwa medizinisches Personal und die nötigen Kühlketten organisieren.

Von Karoline Meta Beisel, Brüssel

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hofft die ganze Welt auf einen Impfstoff. Aber was, wenn er da ist? Die EU-Kommission will, dass sich die Mitgliedsländer auf diesen Moment vorbereiten. "Wenn ein Impfstoff gefunden ist, müssen wir ihn so schnell wie möglich einsetzen können", sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Mittwoch in Brüssel. Gute Vorbereitung werde eine zentrale Rolle dabei spielen, Leben zu retten und der Wirtschaft schnellstmöglich wieder auf die Füße zu helfen.

Die Kommission schlägt den Ländern eine ganze Reihe an Vorbereitungsmaßnahmen vor. So sollten die Mitgliedstaaten etwa medizinisches Personal und die nötigen Kühlketten organisieren. Da nicht sofort nach Zulassung ausreichend Impfdosen für alle vorhanden sein werden, gelte es, sich schon jetzt Gedanken darüber zu machen, wer zuerst geimpft werden soll: Risikogruppen, Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen, oder alte Menschen? Da diese Entscheidung auch von der Art des Impfstoffes und den demografischen Voraussetzungen abhänge, sollten sich die EU-Staaten auf verschiedene Szenarien vorbereiten. "Ein Impfstoff, der vor schweren Verläufen schützt, sollte zum Beispiel Risikogruppen zuerst verabreicht werden. Ein Vakzin, das vor Ansteckungen schützt, vor allem an Gruppen, bei denen dafür ein höheres Risiko besteht", heißt es in einem Dokument. Da Fake News die Akzeptanz von Impfstoffen gefährdeten, sollten sich die Mitgliedstaaten um klare und frühzeitige Information der Bevölkerung bemühen. Wenn ein Impfstoff gefunden ist, solle er allen EU-Ländern gleichermaßen zur Verfügung stehen. Mit drei Pharmafirmen hat die Kommission bereits Vorverträge über insgesamt 800 Millionen Impfdosen abgeschlossen, die im Falle einer Zulassung entsprechend der Bevölkerungsgröße auf die Länder verteilt werden sollen.

Im Zusammenhang mit diesen Vorverträgen gibt es aus dem EU-Parlament allerdings Kritik. Die Kommission hat das Parlament aufgefordert, für die Finanzierung dieser Verträge zusätzliches Geld aus dem Haushalt freizugeben. Abgeordnete aus dem Haushaltsausschuss haben Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den zuständigen Kommissaren nun einen Brief geschrieben, in dem sie beklagen, zu wenig Informationen zu den Vorverträgen zu bekommen. So wüssten die Abgeordneten gerne, ob die Kommission den Firmen Ausgabepreise zugesagt hat, oder sonstige Bedingungen für den Zugang. Die Kommission beruft sich aber auf Vertraulichkeit. "Diese Angaben sollten eigentlich öffentlich sein", sagt der grüne Abgeordnete Rasmus Andresen. "Zumindest aber wir Abgeordneten sollten Antworten bekommen, damit wir die Gelder guten Gewissens freigeben können."

© SZ vom 16.10.2020
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