EU-Kommissionspräsident Juncker: Trump soll aufhören, EU-Staaten zum Austritt zu ermuntern

US-Vizepräsident Pence (links) und EU-Kommissionspräsident Juncker bei einem Treffen im Februar in Brüssel.

(Foto: AFP)
  • EU-Kommissionspräsident Juncker hat US-Vizepräsident Pence vor den möglichen Auswirkungen der Brexit-Euphorie von US-Präsident Trump gewarnt.
  • "Wenn die Europäische Union kollabiert, wird es einen neuen Krieg auf dem Westbalkan geben", so Juncker.
  • Die EU feiert an diesem Samstag das 60-jährige Jubiläum der Unterzeichnung der Veträge von Rom.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat US-Vizepräsident Mike Pence nach eigenen Angaben davor gewarnt, einen Krieg in Europa anzuzetteln.

In einem Interview mit der Financial Times gab Juncker das Gespräch wieder, das bei Pences Besuch im Februar in Brüssel stattgefunden haben soll. Juncker habe Pence gesagt: "Ermutigen Sie andere nicht zum Austritt, denn wenn die Europäische Union kollabiert, wird es einen neuen Krieg auf dem Westbalkan geben."

US-Präsident Donald Trump hatte den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union mehrfach gelobt und andere EU-Staaten ermuntert, dem Beispiel des Vereinigten Königreichs zu folgen. Noch im Wahlkampf sagte er, die Briten seien ohne die EU "besser dran". Nach seinem Amtsantritt nannte er den Brexit eine "wunderbare Sache".

"Wenn wir sie alleine lassen, werden wir wieder Krieg haben"

Der Financial Times sagte Juncker nun, Trumps Enthusiasmus für den Brexit sei "ärgerlich" und "überraschend". Er zeige, wie wenig der US-Präsident über die komplizierte Geschichte Europas Bescheid wisse. Das Ende des Kalten Krieges und der Zerfall Jugoslawiens hatten in den 1990er Jahren zu brutalen ethnischen Konflikten zwischen Serben, Kroaten und bosnischen Muslimen auf dem Balkan geführt.

Juncker sagte: "Wenn wir sie alleine lassen - Bosnien und Herzegowina, die Republika Srpska, Mazedonien, Albanien, all diese Länder - werden wir wieder Krieg haben." Es sei wichtig, den Staaten in der Region die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft zu bieten.

Die EU feiert an diesem Samstag das 60-jährige Jubiläum der Unterzeichnung der Veträge von Rom, die den Grundstein für die heutige Union bilden. Juncker erwartet offenbar keine Glückwünsche aus den USA: "Übrigens, er versteht absolut nichts von Europa", sagte er über Trump: "Er hatte Tusk (EU-Ratspräsident, d.Red.) am Telefon und dachte, das wäre ich."

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