EU-Flüchtlingspolitik:Jeder gegen jeden

Travellers try to board a train to Austria at the railway station in Budapest

In Budapest besteigen Dutzende Flüchtlinge einen Zug Richtung Österreich.

(Foto: REUTERS)

Die Polizei in Ungarn kapituliert vor dem Ansturm der Flüchtlinge, Österreich führt de facto wieder Grenzkontrollen ein. So sieht der Wahnsinn in Europa gerade aus.

Kommentar von Cathrin Kahlweit

So sieht Wahnsinn aus: Während die Polizei in Budapest schlicht vor dem Ansturm der Flüchtlinge kapituliert, führt Wien de facto wieder Grenzkontrollen ein.

Die EU ist derzeit ein politischer Verschiebebahnhof, auf dem jeder Staat seine eigenen Regeln macht - oder aber ignoriert. Und wo jede Seite versucht, die Flüchtlinge möglichst schnell loszuwerden oder zurückzudrängen, immer auf Kosten der Nachbarn.

In Ungarn dementiert die Regierung zwar verzweifelt, aber es ist unübersehbar: Sie ließ zeitweilig Hunderte Flüchtlinge in die Züge nach Westen. Und so richtig kann man den Behörden auch keinen Vorwurf machen. Wie laut wäre der Aufschrei gewesen, wenn Polizisten an den überfüllten Budapester Bahnhöfen die Verzweifelten weggeprügelt hätten?

Die Lage ist so absurd, wie die europäische Asylpolitik absurd ist, und Ungarn ist für beides das beste Beispiel: für Härte und fürs Wegschauen. Budapest will nicht ständig wegen des neuen Grenzzauns im Süden kritisiert werden; man versuche doch quasi als einziger europäischer Staat, "Ordnung an den Grenzen wiederherzustellen", heißt es.

Gleichzeitig sind die Zustände in Budapest ein Beweis dafür, dass das nicht gelingt. Also reisen die Migranten ungehindert weiter gen Österreich. Kritik daran ist aber Heuchelei: Man kann nicht gegen den Zaun sein - und gegen viele Tausende Flüchtlinge auf dem Weg nach Westen.

© SZ vom 01.09.2015/fie
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