Ethikkommission:Kritik von den Kirchen

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Kritisch äußerten sich zuletzt auch mehrfach die Kirchen, in der Kommission vertreten durch den Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, und durch Ulrich Fischer, den Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden. Es gehe um Fragen "des Achtens von Grenzen", hatte Fischer kürzlich gesagt. Wo aber diese Grenzen liegen, das wird auch diese Kommission klären müssen - aufbauend auf Erkenntnissen einer raschen Reaktorprüfung, die vergangene Woche begann.

Sie dürfte neue potentielle Risiken aus dem Kraftwerkspark zutage fördern - die Frage ist dann nur, ob sie sich weiterhin dem "Restrisiko" zuordnen lassen. Das ist jenes Risiko, das eine Gesellschaft bei allem Bemühen um Sicherheit am Ende doch noch hinnehmen muss.

Es gibt in der Kommission wenige, die als Befürworter der Kernkraft gelten, etwa den scheidenden BASF-Chef Jürgen Hambrecht oder den SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi. Dagegen stehen Philosophen wie Ulrich Beck ("Risikogesellschaft") oder Gewerkschafter wie Michael Vassiliadis, Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie, eher für einen konsequenten Umstieg auf andere Energieträger. Allein drei der 17 Mitglieder sind zugleich im Rat für Nachhaltige Entwicklung - der traditionell die Kernkraft für eher weniger nachhaltig hält.

Damit dürfte Teil eins des Auftrags, die Bewertung von Risiken, innerhalb der Kommission leichter zu beantworten sein als Teil zwei: die "Energiewende mit Augenmaß". Dafür hatten schon Union und FDP ellenlange Szenarien errechnen lassen, ehe sie die Laufzeiten tüchtig verlängerten. Schwierig war das Augenmaß auch damals schon. Doch vom Ergebnis der Kommission hängt nun eine Menge ab, denn das Moratorium ist eng getaktet: Von Mitte Mai an darf sich das Gremium mit den Risiken der Atomkraftwerke befassen, zehn Tage später schon muss es seinen eigenen Endbericht vorlegen - als geistige Basis für Merkels Energiewende.

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