Süddeutsche Zeitung

Essen:Polizei: Anschlag auf Sikh-Gebetshaus war Terrorakt

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Die Polizei geht nach dem Bombenanschlag auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen von einem "Terrorakt" aus. Man rechne damit, dass es nach den beiden Festnahmen am Morgen weitere Festnahmen geben werde, sagte der Präsident der Essener Polizei, Frank Richter.

"Die Beschuldigten haben klare Bezüge zur Terrorszene", sagte er weiter. Einer der beiden Festgenommenen habe sich in der Nacht zum Donnerstag der Polizei gestellt, der andere sei nach Hinweisen aus der Bevölkerung in seinem Elternhaus festgenommen worden. Beide räumten die Tat vom Samstag teilweise ein. Sie würden im Moment dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Einer der beiden stammt aus Essen, der andere aus Gelsenkirchen.

Nach den Worten des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) waren die Festgenommenen bereits polizeibekannt. "Die beiden sind in Staatsschutzangelegenheiten schon auffällig gewesen."

60 bis 70 Beamte rund um die Uhr im Einsatz

Die Ermittlungen zu dem Anschlag gehen nach den Festnahmen weiter. Teilweise seien in den vergangenen Tagen 120 Beamte gleichzeitig mit dem Fall befasst gewesen, hieß es. Aktuell seien 60 bis 70 Beamte rund um die Uhr damit beschäftigt.

Jäger lobte die Arbeit der Polizei. "Die NRW-Polizei handelt entschlossen gegen salafistische Extremisten." Jetzt werde ermittelt, welche Kontakte die beiden festgenommenen 16-Jährigen in die gewaltbereite salafistische Szene hatten.

Die beiden Festgenommenen werden beschuldigt, nach einer indischen Hochzeit in dem Essener Sikh-Zentrum "Gurdwara Nanaskar" einen Sprengsatz gezündet zu haben. Drei Menschen wurden bei dem Attentat verletzt, einer von ihnen schwer. Nach Polizeiangaben gab es zudem eine starke Druckwelle, durch die Wucht der Explosion gingen mehrere Fenster zu Bruch. Das Haus wurde stark beschädigt.

Am Mittwoch hatte die Polizei zwei andere, zuvor festgenommene Männer wieder auf freien Fuß gesetzt, weil sich der Tatverdacht bei ihnen nicht erhärten ließ.

Im Zentrum der Sikh-Religion steht die Einheit der Schöpfung und ein gestaltloser Schöpfergott, er ist weder Mann noch Frau. Weltweit hat die Religion 27 Millionen Anhänger, die meisten leben in Indien. In Deutschland leben nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 8000 und 15 000 Angehörige dieser Religion.

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