Eskalation in Nahost Festnahmen nach Mord an jungem Palästinenser

Mutmaßlicher Rachemord vor Aufklärung: Medienberichten zufolge hat die Polizei im Fall des getöteten jungen Palästinensers sechs Tatverdächtige festgenommen. Der 16-Jährige soll bei lebendigem Leib verbrannt worden sein.

  • Im Zusammenhang mit dem Mord an einem palästinensischen Jugendlichen sind Medienberichten zufolge in Israel sechs Verdächtige festgenommen worden. Möglicherweise handelt es sich bei den Tatverdächtigen um "jüdische Extremisten" - diese Information wurde aus Polizeikreisen kolportiert.
  • Der 16-Jährige war am vergangenen Mittwoch in Jerusalem ermordet aufgefunden worden. Ersten Untersuchungen zufolge verbrannte er bei lebendigem Leib.
  • Ein Cousin des ermordeten Jugendlichen soll von israelischen Polizisten misshandelt worden sein. Das Prügelopfer ist amerikanischer Staatsbürger.
  • Gewalt in der Region dauert an - Bemühungen um Waffenruhe

Festnahmen nach mutmaßlichem Rachemord an jungem Palästinenser

Vier Tage nach dem Mord an Mohammed Abu Chder, einem 16-jährigen Palästinenser, hat die Polizei Medienberichten zufolge sechs Verdächtige festgenommen. Der Teenager aus Ost-Jerusalem war mutmaßlich im Rahmen einer Vergeltungsaktion für drei getötetete jüdische Jugendliche umgebracht worden. Unter anderem die Online-Ausgabe der israelischen Zeitung Haaretz berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, bei den Tatverdächtigen handele es sich "offenbar um jüdische Extremisten".

16-Jähriger wurde lebendig verbrannt

Unterdessen gibt es neue Erkenntnisse zum Tod von Mohammed Abu Chder: Der 16-jährige ist ersten Untersuchungen zufolge lebendig verbrannt. Die Autopsie habe ergeben, dass der Jugendliche an schweren Verbrennungen gestorben sei, sagte der palästinensische Generalstaatsanwalt Mohammed Al-A'wewi der Nachrichtenagentur Wafa. Wie die New York Times berichtet, fanden die Ärzte Material in den Atemwegen des Toten, das darauf hindeute, dass er noch gelebt habe, als er in Brand gesteckt wurde.

Die Leiche des 16-Jährigen war am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Er war nach der Beerdigung dreier jüdischer Schüler verschleppt worden, die im Westjordanland entführt und getötet worden waren.

Israelische Polizisten sollen US-Jugendlichen palästinensischer Herkunft misshandelt haben

Suha Abu Chder zeigt ein Bild ihres 15-jährigen Sohnes, der Berichten zufolge von israelischen Grenzpolizisten verprügelt wurde.

(Foto: AP)

Im Internet kursiert ein Video, auf dem zu sehen ist, wie israelische Grenzpolizisten wiederholt auf einen maskierten Jugendlichen einschlagen und ihn danach wegtragen. Später ist der Teenager in der Aufnahme mit blauem Auge und geschwollener Lippe zu sehen.

Bei dem Prügelopfer handelt es sich um einen 15-jährigen US-Bürger palästinensischer Herkunft. Das US-Außenministerium äußerte sich am Samstag "zutiefst beunruhigt" über die Berichte. In einer Erklärung verurteilte das Ministerium "den exzessiven Einsatz von Gewalt" gegen den Jungen namens Tarik Abu Chder und forderte eine sofortige und umfassende Aufklärung. Zugleich bestätigte das Außenministerium, dass sich der 15-Jährige derzeit in Jerusalem in israelischer Haft befinde. Ein Vertreter des US-Konsulats habe ihn dort am Samstag besucht.

Der Jugendliche ist ein Cousin des jungen Palästinensers Mohammed Abu Chder, der in der vergangenen Woche vermutlich Opfer eines Rachemordes geworden war. Nach dessen Trauerfeier war es in Ost-Jerusalem und anderen Orten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Sicherheitskräften gekommen.

Der jetzt attackierte 15-Jährige war mit seinen Eltern aus Florida zu Verwandten nach Jerusalem gereist. Israelischen Polizeiangaben zufolge gehörte er zu einer Gruppe mit Messern bewaffneter Randalierer. Ermittlungen seien eingeleitet worden.

Gegenseitiger Beschuss und Proteste in der Region dauern an - Bemühungen um Waffenruhe

Nach Angaben der israelischen Armee feuerten militante Palästinenser weiter Raketen auf israelische Ortschaften. Den Angaben zufolge schlugen am Freitag und Samstag knapp 30 Raketen und Mörsergranaten in Israel ein. Acht weitere Geschosse seien von der Raketenabwehr abgefangen worden. Erstmals seit dem letzten großen Schlagabtausch zwischen Hamas und Israel im November 2012 wurde am Samstagabend wieder die israelische Wüstenstadt Beerscheva beschossen. Wie ein Sprecher der israelischen Armee mitteilte, griff Israels Luftwaffe in der Nacht zum Sonntag zehn Ziele im zentralen und südlichen Gazastreifen an. Attackiert worden seien unter anderem versteckte Raketenwerfer und eine Waffenschmiede. Beide Seiten betonen allerdings, sie seien nicht an einer weiteren Eskalation der Lage interessiert.

Indes dauern die Bemühungen um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas dauern an. Der ägyptische Geheimdienst vermittele zwischen beiden Seiten, berichtete der israelische Rundfunk am Sonntag.

Die Proteste wütender Palästinenser nach der Beisetzung des ermordeten Jugendlichen am Freitag setzten sich bis in die Nacht zum Sonntag fort. Medienberichten zufolge steckten vermummte Palästinenser in der Kleinstadt Kalansawe Reifen in Brand. In Taibe demonstrierten etwa 400 Menschen, berichtete das Onlineportal Ynet. Dutzende Protestierende hätten die israelische Polizei mit Steinen beworfen. In der Nacht zum Samstag war es unter anderem in Ost-Jerusalem zu Krawallen gekommen.