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Weltweiter Aufruhr wegen Mohammed-Darstellungen:Obama betont religiöse Toleranz der USA

Die Wut der Massen entzündet sich an einem laienhaft produzierten Video aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen kommt es in islamischen Ländern rund um den Globus zu Massenprotesten mit etlichen Toten. Der explosiven Lage zum Trotz veröffentlichte das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo seitenweise Mohammed-Karikaturen.

Die USA bemühten sich um Deeskalation. Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton distanzierten sich im pakistanischen Fernsehen von dem Schmähfilm. Übertragen von sieben Sendern sagte Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betonte, ihr Land habe mit dem Video nichts zu tun. Für die TV-Sendezeit gab die US-Regierung umgerechnet mehr als 50 000 Euro aus.

Pakistans Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt. Zahlreiche politische und religiöse Gruppen hatten zuvor zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen. Das Anti-Islam-Video sei die "schlimmste Art von Bigotterie", sagte Ashraf.

Gleichzeitig forderte er die internationale Gemeinschaft auf, Wege zu finden, um Äußerungen zu verbieten, die "Hass schüren und die Saat der Zwietracht säen". Der Sprecher der UN-Kommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, kritisierte die Mohammed-Karikaturen und das Anti-Islam-Video als boshaft und bewusst provozierend, verurteilte aber die Gewalt.

In Ägypten konnte die radikale Salafisten-Bewegung nicht die Massen für ihre Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen mobilisieren. Eine Gruppe von etwa 70 Männern sei zur französischen Botschaft in Kairo marschiert, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Groß war der Andrang dagegen bei einer Protestaktion der libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah. Tausende Anhängern marschierten unter dem Motto "Wir werden zu diesen Beleidigungen der Religion nicht schweigen", durch die libanesische Stadt Baalbeck.

© Sueddeutsche.de/dpa/AFP/dapd/ske/sekr

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