Katholische Kirche:Erzbistum Köln wehrt sich gegen neue Vorwürfe

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Katholische Kirche: Medienberichten zufolge entwarf eine Kommunikationsagentur 2020 ein Konzept für das "Überleben" des im Missbrauchsskandal unter Druck geratenen Kardinals Rainer Maria Woelki.

Medienberichten zufolge entwarf eine Kommunikationsagentur 2020 ein Konzept für das "Überleben" des im Missbrauchsskandal unter Druck geratenen Kardinals Rainer Maria Woelki.

(Foto: Rolf Vennenbernd/picture alliance/dpa)

Haben PR-Berater von Kardinal Woelki den Betroffenenbeirat manipuliert? Das sei "definitiv falsch", sagt der Generalvikar des Bistums.

Das Erzbistum Köln hat Vorwürfe möglicher Beeinflussung des Betroffenenbeirats bei der Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs zurückgewiesen - und ist damit auf scharfen Widerspruch gestoßen.

Zwar habe man sich der Dienste einer Kommunikationsagentur bedient, aber niemals das Ziel gehabt, "auf einzelne oder mehrere Teilnehmer" des Betroffenenbeirates Druck auszuüben oder sie "zu einem bestimmten Stimmverhalten zu animieren", erklärte Generalvikar Guido Assmann in einem am Mittwochabend veröffentlichten Schreiben an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erzbistums. Es sei "definitiv falsch", dass der Betroffenenbeirat in irgendeiner Weise instrumentalisiert werden sollte. Bei der Aufarbeitung der Fälle sei "immer und ausschließlich die Betroffenenperspektive" handlungsleitend gewesen, betonte Assmann. Das alles sei aber nun wirklich kein "Riesenskandal", auch wenn einige Medien es so darstellten.

Der damalige Beiratssprecher ist "erbost und sauer"

Medien hatten zuvor berichtet, PR-Berater von Erzbischof Rainer Maria Woelki hätten im Herbst 2020 ein Konzept für das "Überleben" des Kardinals im Amt entworfen. Dabei sei auch versucht worden, den Betroffenenbeirat für diese Zwecke einzuspannen. Die Betroffenen seien bei einem minutiös vorbereiteten Treffen dazu gebracht worden, sich gemeinsam mit der Bistumsleitung für die Nichtveröffentlichung eines ersten Missbrauchsgutachtens auszusprechen und dem Auftrag für ein neues Gutachten zuzustimmen, hatte der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Einige Mitglieder des Beirats waren daraufhin zurückgetreten, weil sie sich überrumpelt und instrumentalisiert fühlten.

Patrick Bauer, einer der damals zurückgetretenen Beiratssprecher, erklärte nun, er sei "erbost und sauer" über Assmanns Statement. Der Punkt sei der, dass das Vorgehen des Erzbistums damals offenbar von vornherein festgestanden habe und sich Woelki bei den Betroffenen nur noch deren Segen habe abholen wollen. Besonders verärgert zeigte sich Bauer darüber, dass Assmann in seinem Statement anmahnt, man solle doch miteinander und nicht übereinander reden. "Seit November 2020 hat weder Kardinal Woelki noch der damalige Generalvikar noch irgendjemand von der Kommunikationsabteilung mit mir geredet", so Bauer: "Ich erwarte, dass man sich bei mir für all das entschuldigt, und das ist bis heute nicht geschehen." Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken sagte, statt Medienkritik sei aufseiten des Erzbistums vielmehr Selbstkritik angebracht.

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