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Erstwähler bei Griechen-Referendum:Jugend in der Dauerkrise

Erstwähler in Griechenland/Referendum in Griechenland

Der junge Grieche Stavros will beim Referendum mit "Nein" stimmen.

(Foto: Matthias Kolb)

Eigentlich sollte es der beste Sommer ihres Lebens werden: Stavros und Achilleas haben gerade die Abschlussprüfungen bestanden und bis zum Uni-Beginn sind es noch fast vier Monate. Doch nun redet ganz Griechenland über das Referendum über die internationalen Sparvorgaben. Bei der vergangenen Wahl im Januar durften beide noch nicht abstimmen, doch nun entscheiden sie mit über den Kurs des Landes.

Von Matthias Kolb, Athen

Stavros: Ich werde mit "Nein" stimmen

Wenn ich gekonnt hätte, dann hätte ich im Januar Alexis Tsipras und Syriza gewählt. Heute werde ich mein Kreuz bei "Ochi" machen, denn ich finde, dass wir Griechen uns nicht allem fügen müssen, was man uns vorschreibt.

Ich glaube, dass Europa berücksichtigen wird, was das griechische Volk zu sagen hat. Anders als es die privaten TV-Kanäle hier behaupten, geht es schließlich bei dem Referendum nicht um "Euro oder Drachme", sondern um den jüngsten Austeritätsplan. Ich finde, dass man Tsipras eine Chance geben muss, denn den Vorgänger-Regierungen war es wichtiger, an der Macht zu bleiben, als etwas für das Volk zu tun. Tsipras geht es um uns Griechen, er will einen besseren Deal erzielen. Mit meinen Eltern habe ich nicht viel über die Abstimmung gesprochen: Sie stimmen auch mit "Nein".

Natürlich macht es mich wütend und traurig, dass meine Jugend von dieser ständigen Krise geprägt wurde. Aber ich hoffe, dass wir das überwinden können, wenn wir Griechen zusammen stehen. Leider haben wir uns zu oft auseinander dividieren lassen. Es gab überall zwei Lager: Die Sozialisten der Pasok gegen die Konservativen von Nea Dimokratia in der Politik, beim Fußball Panathinaikos Athen oder Olympiakos Piräus oder früher Königstreue gegen die Anhänger einer Republik.

Alte Fehler nicht wiederholen

Wir sollten aus den Fehlern der Geschichte lernen, und hoffentlich wird es von Montag an besser. Unsere Probleme mit Korruption und Vetternwirtschaft sind groß, aber daran sind alle Regierungen schuld, egal ob die Konservativen oder die Sozialisten den Premierminister stellten. Die Generation meiner Eltern hatte goldene Jahre, in denen es für alle wirtschaftlich nach oben ging - doch das Wachstum war nicht nachhaltig und wir Jungen müssen den Preis dafür zahlen.

Dass das Image Griechenlands schlecht ist, habe ich natürlich mitbekommen. Eine Freundin aus dem Ausland hat mir neulich im Chat geschrieben: "Bist du in Sicherheit? Habt ihr genug zu essen?" So schlimm ist es nicht, ich denke, dass die ausländischen Medien hier übertreiben. Aber unsere Medien sind nicht besser, denn die sind klar parteiisch und viele sind sehr misstrauisch.

Ich werde von Herbst an Europäische Wirtschaftswissenschaften an der Athens University of Economy and Business studieren. Mich interessieren die ökonomischen Zusammenhänge sehr, ich will das genauer verstehen. Im Sommer werde ich noch auf der Insel Andros Urlaub machen und hoffentlich kann ich mich auch ein wenig von der Politik erholen. Alles beruhigt sich hoffentlich ein wenig, aber es wird noch Jahre dauern, bis es uns besser geht.

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