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Erster Weltkrieg in Venedig:Die Welt geht schon lange unter

Erster Weltkrieg Luftabwehr in Venedig Italien

Luftabwehr gegen österreichische Flieger in Venedig

(Foto: Casa dei Tre Oci)

Tiepolo im Bombenhagel: Das Fotomuseum von Venedig zeigt, wie österreichische Luftangriffe im Ersten Weltkrieg das Bild der italienischen Stadt veränderten. Spürbar sind die Folgen noch heute.

Im Juli 1902 stürzte der Campanile auf dem Markusplatz in Venedig ein. Fast tausend Jahre hatte er dort gestanden, doch dann hatte man die Metallanker in seinem Inneren fortgenommen, um einen Aufzug hineinzubauen, der Touristen wegen. Danach lag vor der Basilica di San Marco nur noch ein großer Haufen Steine, in dem dann, völlig intakt, die "Marangona" gefunden wurde, die größte der fünf Glocken des Turms.

Verletzte oder Beschädigungen an anderen Gebäuden hatte es ohnehin nicht gegeben. Noch am Abend des Ereignisses entschied der Rat, den Campanile wiederaufbauen zu lassen, genauso, wie er gewesen war. Zehn Jahre später stand er wieder da, nun auch als Zeichen eines Sieges über die Geschichte, der ungebrochenen Kontinuität der Stadt. Es war vermutlich das letzte Mal, dass ihr Bild als unverletzlich erschien.

In der "Casa dei tre oci", dem Fotomuseum von Venedig auf der Insel Giudecca, wird gegenwärtig eine Ausstellung mit dem Titel "Venezia si difende, 1915 - 1918" ("Venedig verteidigt sich") gezeigt. Sie enthält lauter Bilder einer Stadt, die, wenn sie nicht Zerstörungen zeigen, doch mit heftigen Schäden an Menschen und Gebäuden rechnen: Denn im Ersten Weltkrieg war Venedig, anders als im Zweiten, ein Kriegsschauplatz.

Mehr als vierzig Einsätze flogen vor allem Maschinen der österreichisch-ungarischen Luftwaffe zwischen dem Sommer 1915 und dem Herbst 1918 gegen die Stadt, in strategischer Absicht und beladen mit Bomben von jeweils rund zwanzig Pfund Gewicht.

Ihre Ziele waren wohl vor allem der Bahnhof und die Brücke auf das Festland sowie das Gebiet um das Arsenale, die historische Werft, um die herum sich die damals noch reichlich vorhandenen Industriebetriebe von Venedig angesiedelt hatten. Tatsächlich aber gingen die Sprengkörper im ganzen Stadtgebiet nieder, am Rialto wie auf Santa Maria Formosa, am Palazzo Ducale wie auf der Friedhofsinsel San Michele.

Mehr als fünfzig Menschen kamen bei diesen Angriffen ums Leben, und die Schäden an historischen Gebäuden waren beträchtlich. In etlichen Kirchen stürzten die Decken ein, so in der Chiesa degli Scalzi, wo ein großes Deckengemälde von Tiepolo fast völlig zerstört wurde. Imposant dagegen erscheinen die gewaltigen Mauern aus Sandsäcken, die mit Brettern vernagelten Fresken und die niedergelegten, dick umwickelten Skulpturen, deren Schönheit und Glanz in grauem Sackleinen verschwand.

Erkennbar hat man es dabei mit Fotografen zu tun, denen das Militärische an diesen Aktionen besonders am Herzen lag, und zwar nicht zuletzt, weil sie ihre Bilder im Auftrag der Armee machten. Andere Teile der 350 Originale, die jetzt in der "Casa dei tre oci" zu sehen sind, stammen von Fotografen der Denkmalverwaltung oder aus Fotostudios, die vor allem für Touristen oder Zeitungen arbeiteten. Gesammelt wurden all diese Bilder vom fotografischen Archiv der Museen von Venedig.

Gewiss fragt sich der Betrachter beim Anblick dieser Ruinen, was denn wohl der Sinn dieser Angriffe gewesen sein mag, da man doch in Venedig nicht hätte kämpfen und schon gar nichts hätte erstürmen können, sondern nur zerstören. Das aber ist eine moderne Perspektive, von heute aus gedacht. Denn tatsächlich war Venedig vor hundert Jahren eine ganz andere Stadt.

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