Erster Weltkrieg im Nahen Osten:Dschihad gegen Russland und das Britische Empire

Minutiös zeichnet das Buch die Reise von Kleins Expeditionskorps nach, dem neben Soldaten auch Archäologen und Ingenieure angehörten. Von Konstantinopel, wo der Trupp der osmanischen Armee unterstellt wird, geht es in den Irak und schließlich nach Persien.

Unterwegs führt Klein geheime Verhandlungen mit schiitischen Geistlichen, die Russland und dem Britischen Empire im November 1914 den Dschihad erklärten. Bei diesem Aufstand von Stämmen kam der Geheimdiplomatie der Gruppe Klein eine "erhebliche Bedeutung" zu, so Veltzke.

Erster Weltkrieg im Nahen Osten: Die britische Pipeline, die Hans Lührs und seine Männer teilweise zerstörten.

Die britische Pipeline, die Hans Lührs und seine Männer teilweise zerstörten.

(Foto: Preußen-Museum NRW, Wesel)

Wer zuvor nichts über den Ersten Weltkrieg im Orient gelesen hat, muss bei dieser und anderen Episoden aufpassen, den Überblick nicht zu verlieren. Zu zahlreich sind die Verflechtungen des Osmanischen Reichs und seiner Diener.

Aber es lohnt sich, den stets klar strukturierten Ausführungen des Historikers Veltzke zu folgen. Denn nicht zuletzt die regelmäßig in den Text eingestreuten Tagebucheinträge von Fritz Klein und seinem Adjutanten Edgar Stern machen die vergessene Expedition auch sinnlich begreifbar.

Sie erzählen vom Zauber arabischer Märkte, vom Schrecken der Pest und von Heuschreckenplagen. In manchen Passagen erinnern nur Details daran, dass die Deutschen in kriegerischer Mission unterwegs sind: Ein Automobilingenieur in Kleins Truppe bastelt Minen.

Hauptmann Klein selbst empfiehlt dem Gouverneur von Bagdad, Getreidediebe öffentlich hinzurichten. Zusammen mit den körnigen Fotos, die in der Buchmitte eingebunden sind, entfaltet sich so das Panorama einer turbulenten und seltsam aktuellen Episode der Weltgeschichte.

70 Millionen Gallonen Rohöl gingen den Briten wegen der Sabotageakte verloren

Den dramaturgischen Höhepunkt des Buches bilden schließlich die Erinnerungen Hans Lührs', der 1915 im Auftrag Kleins die Pipeline-Anschläge in der Nähe der irakischen Stadt Amara verübte.

70 Millionen Gallonen Rohöl sollen den britischen Streitkräften wegen der Sabotageakte verloren gegangen sein - ein Verlust von geschätzt mindestens 12 Millionen Reichsmark. "Mehr, als die persischen Unternehmungen uns bislang gekostet haben", berichtete das Auswärtige Amt.

Und auch die Flucht aus Amara, das von den Briten eingenommen wurde, gelingt Lührs und seinen Kumpanen. Nach vier Tagen qualvollem Marsch durch die Wüste werden sie schließlich von Verbündeten des Deutschen Reiches aufgegriffen. Die Teilnehmer der Expedition sollte ihr Ausflug in den Orient tief zeichnen.

Bei Fritz Klein führte er gar zu einem Sinneswandel: Nach dem Krieg wurde der Hauptmann erkenntnistheoretischer Philosoph und Imperialismus-Kritiker.

Veit Veltzke: "Unter Wüstensöhnen", 400 Seiten, Nicolai-Verlag.

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