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Trotz Corona-Krise:Mehr als 1000 Demonstranten ziehen durch Kreuzberg

In diesem Jahr sind Großdemonstrationen zum 1. Mai wegen der Coronavirus-Pandemie verboten. In Berlin versammeln sich trotzdem Hunderte auf den Straßen.

Hunderte Demonstranten sind am Abend des 1. Mai trotz der Corona-Einschränkungen durch Berlin-Kreuzberg gezogen. Sprechchöre gegen die Polizei wurden skandiert sowie Rauchtöpfe gezündet. An mehreren Stellen kam es zu spontanen Kundgebungen. Abstandsgebote wegen der Pandemie wurden nicht eingehalten. Nach Einbruch der Dunkelheit kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten, Feuerwerk wurde gezündet, Sprechchöre gegen die Polizei skandiert, vereinzelt flogen Flaschen und Steine, Einsatzkräfte seien verletzt worden, twitterte die Polizei.

Beamte mit Helmen zogen Einzelne aus der Menge. Es gab nach Angaben von Beobachtern teils heftigen Widerstand. Wiederholt bildeten sich bei den Festnahmen Gruppen um die Polizisten, die härter durchgriffen. Sechs Menschen wurden laut den Angaben von Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik vom Abend dem Haftrichter vorgeführt. Es habe bislang 50 Festnahmen und fast 100 Freiheitsbeschränkungen (Identitätsfeststellungen) gegeben.

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Zuvor hatte die Polizei die Oranienstraße sowie umliegende Straßen gesperrt, Ketten aus Polizisten sowie Einsatzfahrzeuge standen auf den Fahrbahnen und zerteilten damit die große Menge. Aktivisten sammelten sich dann außerhalb der Sperrungen.

Linke und Linksradikale hatten per Twitter angekündigt, die Oranienstraße in Kreuzberg zu besetzen. In früheren Jahren zog die "Revolutionäre 1. Mai Demonstration" an dem Feiertag durch Kreuzberg, der Aufzug fällt nun wegen der Corona-Pandemie aus. Angekündigt waren nun viele kleinere Aktionen.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 5000 Kräften in Berlin unterwegs. Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte angekündigt, nicht genehmigte Demonstrationen und größere Menschenansammlungen schnell und konsequent aufzulösen. "Dass sich Menschen in solchen Größenordnungen mit so geringem Abstand versammeln, ist schlichte Unvernunft", sagte Geisel in der RBB-Abendschau am Freitag.

ZDF-Team am Rande einer Corona-Demo angegriffen

Am Nachmittag war es bei einer Versammlung von Gegnern der Corona-Maßnahmen am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte zu einem Zwischenfall gekommen. Bei Dreharbeiten für die ZDF-Satiresendung "heute-show" wurden nach Angaben des Senders fünf Teammitglieder attackiert und nach ersten Erkenntnissen verletzt. Der Angriff sei erfolgt, als das Team nach einem Dreh auf dem Weg zurück zu seinen Fahrzeugen war. Weitere Details seien noch nicht bekannt.

"Mehrere Teammitglieder sind im Krankenhaus, unser Reporter Abdelkarim ist unverletzt", heißt es in einem Tweet der "heute-show" im Kurznachrichtendienst Twitter. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler verurteilte den Angriff. Die Pressefreiheit sei ein hohes Gut. "Unsere Sorge gilt nun jedoch zuallererst den Teammitgliedern und ihrer Gesundheit", fügte er hinzu.

Die für den Abend geplante "heute-show" sei bereits aufgezeichnet gewesen und gehe deshalb auf den Vorfall nicht ein.

© SZ.de/dpa/berk
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