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Erster Eindruck:Wie sich die App bedienen lässt

Das Design ist modern, die App läuft flüssig. Allerdings funktioniert sie auf Millionen älterer Handys nicht.

Von Jannis Brühl

Die offizielle Corona-App zur Warnung potenziell Infizierter ist da, aber funktioniert sie auch? Das Design ist modern minimalistisch, die App läuft ersten Tests zufolge flüssig. Auf den Android- und iOS-Geräten der SZ ließ sich die App auch problemlos installieren und nutzen. Auffällig viel Strom verbraucht sie nicht.

Die Oberfläche führt Nutzer direkt zur entscheidenden Funktion: der Aktivierung des Tracings. Denn zunächst tut die App gar nichts. Die Bestimmung des "persönlichen Ansteckungsrisikos" muss man gezielt anschalten. Die Gefahr berechnet sich nach Abstand und Dauer des Kontakts zu einem anderen, infizierten Nutzer der App; nach der verstrichenen Zeit seit diesem Kontakt; und nach dem individuellen Ansteckungsrisiko, das die Gesundheitsbehörde dem Infizierten zuschreibt.

Den Abstand misst das Gerät über die Bluetooth-Antennen der beiden Geräte. Hält die App das Infektionsrisiko für zu hoch, warnt sie den Nutzer, in Quarantäne zu gehen und sich testen zu lassen. Unmittelbar nach der Installation liegen dafür natürlich noch nicht genügend Informationen über Kontakte vor, deshalb startet man mit "unbekanntem Risiko". Wer infiziert ist und vom Testlabor einen entsprechenden Code zum Scannen bekommen hat, kann eigene Testergebnisse hochladen. Dann warnt die App gefährdete Kontakte. Das Tracing lässt sich jederzeit ausschalten. Die gesamte App lässt sich komplett zurücksetzen, wodurch alle Daten gelöscht werden sollen.

Irritationen löste am Dienstag eine Besonderheit von Android aus. Die App bat Nutzer des Betriebssystems, den "Gerätestandort" zu aktivieren. Das widerspricht scheinbar der Zusage, die Wege der Nutzer nicht zu überwachen. Einem Google-Sprecher zufolge handelt es sich um ein Missverständnis, es gehe gar nicht um den Gerätestandort. Aber nur mit dieser Einwilligung könnten andere Bluetooth-Geräte erkannt werden. "Für Covid-19-Benachrichtigungen wird der Gerätestandort nicht ermittelt und eine Standortbestimmung ist zusätzlich explizit durch die Nutzungsbedingungen mit dem App-Anbieter ausgeschlossen."

Am Dienstag klagten zudem Leser mit älteren Handys der SZ-Redaktion ihr Leid, weil sie die Apps nicht zum Laufen brachten. Nutzer brauchen mindestens ein iPhone 6s oder eines mit Android-Version 6. Es kann helfen, das Betriebssystem zu aktualisieren. Sind die Handys zu alt, funktionieren die benötigten Versionen des Systems aber nicht. SAP zufolge läuft die App auf mehr als 60 Prozent der Smartphones in Deutschland, was einige Millionen Menschen außen vor lässt. Die iPhone-App lässt sich erst ab 17 Jahren nutzen, sonst bräuchte es eine Einwilligungserklärung der Sorgeberechtigten. Im EU-Ausland und in Großbritannien lässt sich die App nicht einfach herunterladen. Dafür muss die Ländereinstellung auf "Deutschland" geändert werden - womit eventuell andere Funktionen des Handys in dem Land eingeschränkt werden.

© SZ vom 17.06.2020

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