Trumps erste Begegnung mit Putin:Im russischen Minenfeld

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Russlands Präsident Wladimir Putin ist in außenpolitischen Fragen viel routinierter als Donald Trump. (Foto: Sergei Karpukhin/AFP)

Donald Trump trifft Wladimir Putin zum ersten Mal. Die Begegnung am Rande des Gipfels in Hamburg birgt vor allem für den amerikanischen Präsidenten Risiken.

Von Hubert Wetzel

Den meisten Amerikanern, ob sie Donald Trump nun mögen oder nicht, dürfte es herzlich egal sein, wem der Präsident in dieser Woche bei seinen Besuchen in Polen und Deutschland so alles begegnet.

Böswillige Beobachter würden vielleicht sogar behaupten, das treffe nicht zuletzt auf Trump selbst zu. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Wladimir Putin. Der amerikanische und der russische Präsident haben bisher nur einige Male telefoniert, ihre geplante Zusammenkunft am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg an diesem Freitag ist das erste persönliche Treffen.

Und es gibt kaum Zweifel, dass für Trump dabei weit mehr auf dem Spiel steht als für Putin. Denn Trump muss Amerika und der Welt einerseits zeigen, dass er sich von Putin weder einwickeln noch herumschubsen lässt. Vor allem die europäischen Verbündeten werden nervös schauen, ob die USA unter Trump noch fest an ihrer Seite stehen oder ob sich da eine Einigung mit Russland auf Einflusssphären in Europa andeutet.

Russland für Trump in mehrfacher Hinsicht heikles Thema

Allzu kumpelhaft darf das Gespräch also nicht werden. Andererseits muss Trump jedoch die Möglichkeit offenhalten, die historisch schlechten Beziehungen zu Russland wieder zu verbessern, so wie er es versprochen hat. Offenen Streit beim ersten Treffen, zum Beispiel über Russlands Kriegstreiberei im Osten der Ukraine und in Syrien, wird Trump demnach ebenso vermeiden wollen.

Russland ist für Trump aus mehreren Gründen ein schwieriges Thema. Erstens: die russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl im vorigen Jahr.

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Die US-Geheimdienste sind überzeugt davon, dass es eine vom Kreml - sprich: von Putin persönlich - befohlene Sabotagekampagne gegen die Demokraten gab, um Trump zum Präsidenten zu machen und Amerikas Demokratie zu schaden.

Trump müsste Putin scharf kritisieren, kann es aber nicht

Der frühere Präsident Barack Obama hat Moskau deswegen mehrmals verwarnt. Als amtierender Präsident müsste Trump Putin eigentlich mit den Vorwürfen konfrontieren und klarmachen, dass die Vereinigten Staaten sich derartige Aktionen nicht noch einmal bieten lassen werden.

Doch dazu müsste Trump die russische Einmischung erst einmal offen anerkennen. Das aber hat er bisher allenfalls halbherzig und vage getan. Vermutlich befürchtet er, dass jeder Zweifel am Ablauf der Wahl auch Zweifel an der Legitimität seines Wahlsiegs wecken könnte.

Trumps Zurückhaltung hat aber auch mit dem zweiten Grund zu tun, warum Russland für ihn ein so heikles Thema ist: In Washington laufen derzeit diverse Ermittlungen, um herauszufinden, ob Trump oder Vertraute von ihm bei Moskaus Sabotageaktion gegen die Demokraten und deren Kandidatin Hillary Clinton mitgeholfen haben.

Bisher gibt es dafür keine Beweise, sondern höchstens Indizien. Aber Trump hat zugegeben, dass die Ermittlungen wie eine "Wolke" über seiner Präsidentschaft hängen. In Hamburg hat er es mit dem Verursacher dieser dunklen Wolke zu tun.

US-Präsident ist Anfänger auf internationaler Bühne

Ein drittes Problem für Trump im Umgang mit Russland ist seine mangelnde außenpolitische Erfahrung. Trump hält sich für den größten Verhandler aller Zeiten, aber in der internationalen Politik funktionieren Verhandlungen manchmal anders als im Immobiliengeschäft.

Beispiel Nato: Trump will die Europäer dazu zwingen, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Das ist ein legitimes Ziel, das auch schon einige seiner Vorgänger verfolgt haben. Doch um es zu erreichen, setzte Trump vor allem ein Druckmittel ein - er verweigerte bisher ein klares Bekenntnis zu Artikel 5 des Nato-Vertrags, der Beistandsklausel.

Das verstärkte zwar den Druck auf die Europäer, höhere Militärbudgets zumindest zu versprechen. Aber es spielte zugleich Russland in die Hände, weil es die Nato verunsicherte und deren Fundament erschütterte. Das Ergebnis, das am Ende von Trumps vermeintlich so erfolgreichen Verhandlungen stand: Der US-Präsident schwächte Amerikas wichtigstes politisches und militärisches Bündnis. Er nahm damit dem Kreml die Arbeit ab.

Bisher ist nicht klar, wie sich Trump die russisch-amerikanischen Beziehungen vorstellt. Er hält, anders als noch vor einigen Monaten, keine öffentlichen Lobreden mehr auf den Autokraten Putin. Aber er hat bisher auch persönlich noch kein einziges Wort der Kritik geäußert an Moskaus aggressiver Politik im Inneren und Äußeren. Vielleicht ist die Welt am Wochenende schon schlauer.

© SZ vom 05.07.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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