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Erschossene Kreml-Kritikerin:Fünf Angeklagte im Mordfall Politkowskaja verurteilt

VERHANDLUNGSFÜHRERIN ANNA POLITKOWSKAJA

Die Journalistin Anna Politkowskaja im Jahr 2002 - vier Jahre später wurde sie erschossen.

(Foto: DPA)

Der Mord an der Reporterin und Kreml-Kritikerin Anna Politkowskaja sorgte weltweit für Entsetzen. Nach einem ersten Schuldspruch im Jahr 2012 sind nun fünf weitere Angeklagte verurteilt worden. Doch wer den Mord in Auftrag gab, ist weiterhin unklar.

Knapp acht Jahre nach der Ermordung der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat ein Moskauer Gericht fünf Angeklagte schuldig gesprochen. Das Strafmaß werde vermutlich an diesem Mittwoch verkündet, meldete die Agentur Interfax am Dienstagabend.

Die scharfe Gegnerin von Kremlchef Wladimir Putin war am 7. Oktober 2006 vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen worden. Die aus Tschetschenien stammenden Angeklagten sollen die Tat geplant und ausgeführt haben. Politkowskajas Angehörige kritisierten, auch mit dem Urteil bleibe unklar, wer den Mord in Auftrag gegeben habe. "Wir sind mit dem Urteil einverstanden, aber den größeren Teil der Schuld tragen andere", sagte Politkowskajas Sohn Ilja.

Die Verteidigung kündigte hingegen an, in Revision zu gehen. Der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, sagte nach dem Urteil, die Untersuchungen in dem Mordfall seien weiter nicht abgeschlossen.

Menschenrechtler vermuten, dass Russlands Machtapparat mit dem Mord zu tun hatte

Wegen der Tat mussten sich drei Brüder aus Tschetschenien, ihr Onkel sowie ein früherer Moskauer Polizeioffizier vor Gericht verantworten. Bei Rustam Machmudow handelt es sich nach Auffassung der Geschworenen um den Todesschützen. Seine Brüder Dschabrail und Ibragim sowie die beiden anderen Angeklagten wurden wegen Beteiligung an der Planung des Mordes schuldig gesprochen.

Ibragim und Dschabrail Machmudow waren wie Ex-Polizist Sergej Chadschikurbanow in einem vorherigen Prozess im Jahr 2009 freigesprochen worden. 2010 kassierte Russlands Oberster Gerichtshof das Urteil jedoch und ordnete einen neuen Prozess an. Ende 2012 wurde bereits der frühere Polizist Dmitri Pawljutschenkow zu elf Jahren Haft verurteilt, nachdem er in einer Abmachung mit der Anklage eingeräumt hatte, die Mordwaffe organisiert und dem Mörder übergeben zu haben. Der jetzige Schuldspruch ist der zweite in dem Mordfall der bekannten Journalistin.

Politkowskaja hatte vor allem aus dem Konfliktgebiet Tschetschenien im Nordkaukasus über Menschenrechtsverletzungen berichtet. Die Bluttat sorgte weltweit für Entsetzen. Nach Darstellung der Ermittler hatte der Unternehmer Lom-Ali Gaitukajew eine Bande für den Mord an der Journalistin der Zeitung "Nowaja Gaseta" rekrutiert.

Menschenrechtler befürchten, dass die Spuren der Bluttat bis in Russlands Machtapparat reichen könnten und die wahren Hintergründe der Tat nie ans Licht kommen.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/ipfa
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