Es gibt unzählige Bilder von Ernst Happel: Happel als Spieler bei Rapid Wien, Happel als Trainer beim Hamburger SV, Happel häufig im Trainingsanzug, Happel mit Sakko und breiter Krawatte in den 70er-Jahren. Aber Happel ohne Zigarette? Diese Fotos sind selten. Ernst Happel war Kettenraucher, er qualmte täglich seine belgische Lieblingsmarke Belga – und er bekam leider Lungenkrebs. So entstand ein letztes Bild für die Öffentlichkeit, als er am 28. Oktober 1992, wenige Tage vor seinem Tod, als Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft abgemagert auf der Trainerbank saß: beim WM-Qualifikationsspiel gegen Israel in jenem Wiener Stadion, das schließlich seinen Namen erhielt. Damals hieß es Praterstadion, heute ist es das Ernst-Happel-Stadion.
Ernst Franz Hermann Happel, als uneheliches Kind 1925 in Wien-Rudolfsheim geboren, wuchs bei seiner böhmischen Oma auf, die am Meiselmarkt im 15. Bezirk einen Obst-, Würstel- und Gemüseladen hatte. Happel kickte bei Rapid Wien und wurde Nationalspieler. Später war er einer der besten Trainer der Welt, weil er in konservativen Fußball-Zeiten modern dachte und offensiv spielen ließ. Er wurde in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Österreich Fußball-Meister, WM-Zweiter mit den Niederlanden (1978) und Europapokalsieger mit Feyenoord Rotterdam (1970) und dem Hamburger SV (1983). In Rotterdam wurde eine Straße nach ihm benannt: die Ernst Happelstraat. Und er bekam Spitznamen, etwa „der Zauberer“, „der Grantler“, „Wödmasta“ (also Weltmeister, obwohl er es nie wurde) oder als junger Mann „Aschyl“ (wegen einer Ähnlichkeit mit einem türkischen Filmstar).
Happel duzte seine Spieler, und diese mussten ihn mit „Herr Trainer“ anreden. Sie durften ihn aber bitte nicht zu viel fragen. Zu einem Spieler, der ein Gespräch mit ihm führen wollte, soll er mal gesagt haben: „Wanns’ reden wollen, müssens’ Staubsaugervertreter werden, ich brauch nur Fußballer.“ Er selbst sprach ja ebenfalls nicht viel, man nannte ihn – noch ein Spitzname – den „Schweiger“. In Hamburg beendete er eine Pressekonferenz nach acht Sekunden. Und einmal sagte er zu den Reportern: „Schreibns’, was wolln, is mir eh wurscht.“
Von ihm wusste man immerhin, dass er in seinen 26 Auslandsjahren häufig in sein geliebtes Wien flog, wo er ins Casino ging und mit seinen Freunden im Café Ritter in Ottakring saß, Wein trank, rauchte und Karten spielte. Einmal, beim FC Tirol, soll er sich in den Vertrag schreiben haben lassen, dass er einmal pro Woche in einem Privatjet nach Wien geflogen werde.
Dann kam der Krebs, und als sein Freund Walter Zeman, ein berühmter Tormann, 1991 starb, sagte Ernst Happel angeblich zu den Kartenfreunden im Café Ritter: „Ich bin der Nächste.“

