Ermittlungspanne:Angeklagter IS-Sympathisant in Griechenland festgenommen

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  • Mohamad Hasan K. wurde zehn Tage nach seinem Verschwinden in Griechenland aufgegriffen. Nun soll er ausgeliefert werden.
  • Der 20-Jährige ist als Mitwisser des Messerangriffs auf einen Polizisten in Hannover angeklagt, den die 16-Jährige Safia S. im Auftrag der Terrormiliz "Islamischer Staat" ausführte.
  • Außerdem soll er möglicherweise in die Terrorpläne verwickelt gewesen sein, die zur Absage eines Fußball-Länderspiels im November 2015 führten.

Kurz vor seinem Prozess am Oberlandesgericht Celle hat sich der angeklagte IS-Sympathisant Mohamad Hasan K. ins Ausland abgesetzt. Polizisten nahmen den 20-Jährigen nach zehn Tagen in Griechenland fest, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen am Freitag bestätigte. Er soll nun an Deutschland ausgeliefert werden.

Gegen den 20-Jährigen wird in zwei Fällen ermittelt

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Die Bundesanwaltschaft klagt die 16-jährige Deutsch-Marokkanerin Safia S. an. Sie soll im Auftrag der Terrormiliz IS einen Polizisten schwer verletzt haben.

Von Ronen Steinke

Der 20-Jährige ist als Mitwisser im Prozess gegen die 16-jährige Safia S. angeklagt, die im Frühjahr einen Bundespolizisten am Hauptbahnhof Hannover mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt hatte. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass das Mädchen im Auftrag der Terrororganisation "Islamischer Staat" handelte.

Außerdem ermittelt der Generalbundesanwalt gegen Mohamad Hasan K., weil in die angeblichen Terrorpläne verwickelt gewesen sein könnte, die zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im November 2015 geführt hatten.

Von einer Untersuchungshaft sahen die Ermittler ab

Der Terrorverdächtige sei nicht in Untersuchungshaft gekommen, weil Beamte auch bei Hausdurchsuchungen im vergangenen Jahr keinerlei Anzeichen einer Fluchtgefahr entdeckt hätten, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft der Agentur dpa. Der vorgesehene Prozessbeginn am 20. Oktober könne eingehalten werden, selbst wenn der Mitangeklagte Mohamad Hasan K. bis dahin noch nicht ausgeliefert sein sollte.

Recherchen der Süddeutschen Zeitung und der Rundfunkanstalten NDR und WDR legen nahe, dass sein zeitweiliges Verschwinden ins Ausland nicht die erste Ermittlungspanne im Fall Safia S. ist. Die niedersächsischen Behörden hätten von den Anschlagsplänen des Mädchens viel früher wissen können. Wie sich aus Dokumenten ableiten lässt, die der Redaktion vorliegen, hatten sie jedoch etliche Hinweise unterschätzt: Etwa belegen Chats auf einem sichergestellten Handy von Safia S., dass sie mit Hasan K. Nachrichten über eine mögliche "Märtyreroperation" austauschte.

In Köln festgenommener Flüchtling gesteht IS-Bezug

Ein in Köln festgenommener Flüchtling hat sich unterdessen als Anhänger des IS bekannt. Der 16-Jährige war am 20. September festgenommen worden, weil die Polizei auf seinem Handy Hinweise auf einen geplanten Bombenanschlag entdeckt hatte. In der Vernehmung habe er sowohl die Pläne als auch seinen Bezug zu der Terrororganisation gestanden, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger unter Berufung auf das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen.

© SZ.de/dpa/ees - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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