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Ermittlungsergebnis:Mit Schalldämpfer

Die Durchsuchung bei einem KSK-Soldaten Mitte Mai hat noch mehr Waffen zu Tage gefördert als bisher bekannt - und Nazi-Schriften.

Im Fall eines in Sachsen bei einer Polizeirazzia festgenommenen KSK-Soldaten sind neue Details bekannt geworden. Wie aus einer am Freitag veröffentlichten Antwort des sächsischen Justizministeriums auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, wurden auf dem Privatgrundstück des 45-Jährigen unter anderem zwei Kilogramm professioneller Sprengstoff, Tausende Stück Gewehr- und Pistolenmunition, Armbrust, Nebelhandgranate sowie Schusswaffen und Waffenteile - darunter auch ein Schalldämpfer - gefunden.

Mitte Mai hatte die Polizei das Waffenversteck im nordsächsischen Collm entdeckt, seither sitzt der 45-Jährige in Untersuchungshaft. Er steht unter dem dringenden Tatverdacht, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz verstoßen zu haben. Besonders der Besitz eines Schalldämpfers zum "lautlosen Töten" lasse aufhorchen, sagte die Linke-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. Zudem sei von dem Waffendepot eine "erhebliche Gefahr" für die Nachbarn ausgegangen. Woher die Munition und die Waffen kommen, ist laut Justizministerium Gegenstand der Ermittlungen. Medienberichten zufolge stammten diese teilweise aus Bundeswehrbeständen. Zudem wurden bei dem Kommandosoldaten rechtsextreme Schriften gefunden, darunter ein SS-Liederbuch, mehrere rechte Zeitschriften sowie Aufkleber mit NS-Motiven.

Das 1996 gegründete "Kommando Spezialkräfte" gilt als militärische Eliteeinheit, vergleichbar dem britischen SAS oder den Navy Seals der USA. KSK-Soldaten kämpften gegen die Taliban in Afghanistan, wo das Kommando 2013 einen Toten zu beklagen hatte, und stellten im früheren Jugoslawien vom UN-Tribunal gesuchte Kriegsverbrecher. Zuletzt allerdings machte die Einheit eher Schlagzeilen durch eine Reihe rechtsextremer Vorkommnisse. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) betonte zwar, man dürfe das KSK "nicht unter Generalverdacht" stellen, hatte aber im Mai eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die das Ausmaß des rechten Treibens untersuchen und dagegen einschreiten soll. Ein junger Hauptmann des KSK hatte die Ministerin in einem Brief alarmiert, in dem er "eine toxische Verbandskultur" beklagte.

Ein weiteren Skandal gab es, als zuletzt ein Soldat der Einheit als Islamist enttarnt wurde, er soll sich beim UN-Einsatz im westafrikanischen Mali radikalisiert haben und wurde entlassen.

© SZ vom 29.06.2020 / dpa/jkä
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