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Ermittlungen wegen Sex mit Minderjähriger:Berlusconi soll vor Gericht

Die Mailänder Staatsanwaltschaft will Silvio Berlusconi wegen der Sexaffäre um die damals minderjährige Tänzerin "Ruby" anklagen. Der italienische Ministerpräsident kontert mit der üblichen Strategie: Alles sei ein Komplott seiner Feinde.

Silvio Berlusconi ist es durchaus gewohnt, vor Gericht zu stehen. Unzählige Verfahren hat er bereits über sich ergehen lassen müssen, Prozesse wegen Bestechung, Bilanzfälschung, Steuerbetrug. Mal wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen, mal waren die Vorwürfe verjährt, mal erließ seine Regierung ein neues Gesetz, um die Anklagen aus dem Weg zu räumen. Nie gelang es den Richtern, Berlusconi substantiell etwas nachzuweisen, stets konnte er sich im Amt halten.

Journalists, Authors And Personalities Call For Silvio Berlusconi Resignation

Silvio Berlusconi hinter Gittern - bisher blieb das eine Wunschvorstellung seiner Gegner.

(Foto: Getty Images)

Im aktuellen Sexskandal um eine minderjährige Tänzerin gerät der italienische Ministerpräsident allerdings immer mehr unter Druck: Die Mailänder Staatsanwaltschaft will Silvio Berlusconi jetzt den Prozess machen. Am Mittwoch werde ein entsprechendes Ersuchen bei dem zuständigen Richter eingereicht, sagte Chefankläger Edmondo Bruti Liberati.

Die Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, bei Partys auf seinem Anwesen Frauen für Sex bezahlt zu haben, darunter auch die damals 17-jährige marokkanische Nachtklubtänzerin Karima El Mahroug, genannt Ruby. Dem Regierungschef wird außerdem vorgeworfen, die Polizei unzulässig unter Druck gesetzt zu haben, die wegen Diebstahls festgenommene Tänzerin auf freien Fuß zu setzen.

Die inzwischen 18-Jährige erklärte, dass es zu keinem Zeitpunkt zum sexuellen Kontakt mit Berlusconi gekommen sei. Jedoch habe der 74-jährige Ministerpräsident ihr angesichts ihrer schwierigen familiären Situation 7.000 Euro gegeben.

Berlusconi wies die Vorwürfe zurück und sprach von einem Komplott der Staatsanwaltschaft, um ihn aus dem Amt zu drängen. Er habe nie für Sex bezahlt.

Am Wochenende hatten in mehreren Städten Italiens Tausende Menschen für einen Rücktritt des Ministerpräsidenten demonstriert, darunter auch Prominente wie die Autoren Umberto Eco und Roberto Saviano. Berlusconi sagte als Reaktion auf die Demonstrationen, er habe "eine dicke Haut" und verwies auf eine aktuelle Umfrage von Euromedia, derzufolge er auf 51 Prozent Zustimmung kommt.

© dapd/Reuters/olkl

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