Ermittlungen in der Russland-Affäre Schlechte Nachrichten für Trump

Trump soll auf Muellers erste Untersuchungsergebnisse mit Frust und Empörung reagiert haben.

(Foto: Bloomberg)

Welche Druckmittel hat US-Sonderermittler Mueller in der Russland-Affäre in der Hand? Wird Manafort "singen"? Wen könnte es als Nächsten treffen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Beate Wild, Austin

Robert Mueller, Sonderermittler des FBI, hat am Montag in der Russland-Affäre Anklage gegen drei ehemalige Berater von US-Präsident Donald Trump erhoben. Das politische Washington ist in Aufruhr - und in Trumps Zirkel dürften einige jetzt ziemlich nervös sein. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wen hat Mueller ins Visier genommen?

Im Mittelpunkt der Anklage stehen Trumps ehemaliger Wahlkampf-Manager Paul Manafort und dessen Geschäftspartner Rick Gates, der ebenfalls Teil des Kampagnenteams war. Außerdem wurde bekannt, dass George Papadopoulos - ein weiterer ehemaliger Wahlkampf-Berater - gestand, das FBI über seine Russland-Kontakte belogen zu haben.

Gericht stellt Trump-Berater Manafort unter Hausarrest

Er soll Millioneneinnahmen aus seiner Tätigkeit beim früheren prorussischen Staatschef der Ukraine, Viktor Janukowitsch, vor den US-Behörden verborgen haben. Er plädiert auf unschuldig. Von Matthias Kolb mehr ...

Wie lautet die Anklage?

Die Anklage gegen Manafort und Gates umfasst insgesamt zwölf Punkte - darunter Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten, Steuerbetrug, Falschaussage und Geldwäsche. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, die Lobbyarbeit für ausländische Interessen vor US-Behörden verschwiegen zu haben. Der untersuchte Zeitraum umfasst die Jahre zwischen 2005 und 2016. Um die zentrale Frage, ob Trump-Mitarbeiter sich illegal mit der russischen Regierung abgesprochen haben, geht es dabei nicht. Manafort und Gates stellten sich am Montagmorgen dem FBI, bestreiten aber die Vorwürfe.

Welche Rolle spielte Manafort im Trump-Team?

Der 68-jährige Berater und Politstratege, der am Montag vom Gericht unter Hausarrest gestellt wurde, war im Sommer 2016 für knapp drei Monate Trumps Wahlkampfchef. Manafort war zuvor vor allem für internationale Klienten als Lobbyist aktiv, darunter umstrittene Figuren wie den früheren philippinischen Diktator Ferdinand Marcos oder den ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch (mehr zu Manaforts Werdegang hier). Rick Gates arbeitete ebenfalls für Trump, im Komitee zur Amtseinführung sogar noch im Januar und danach für eine Wiederwahl-Organisation des Präsidenten.

Wird Mueller Manafort zum "Singen" bringen?

Auch wenn die Vorwürfe sich auf Lobby-Arbeit vor seinem Trump-Engagement beziehen: Manafort muss sich ernsthaft Sorgen machen. Ihm drohen mehr als zehn Jahre Haft und die Zwangsenteignung.

Dieses Szenario ist ein Klassiker der Ermittlungsstrategien: Mueller hat ein Druckmittel in der Hand, um Manafort zum "Singen" zu bringen. Wenn Manafort eine Strafminderung aushandeln will, wird er wohl gegen weitere Personen im Trump-Team aussagen müssen - sofern es strafrechtlich Relevantes zu berichten gibt. Für Rick Gates gilt das Gleiche.

Wer ist Papadopoulos und wieso hat er das FBI belogen?

Der ehemalige Trump-Berater im Team Außenpolitik wurde am 27. Juli am Flughafen in Washington D.C. festgenommen. Er gibt zu, die Ermittler wegen seiner Russland-Kontakte bei einer früheren Anhörung belogen zu haben und kooperiert seither mit Sonderermittler Mueller. Wie am Montag veröffentlichte Gerichtsdokumente zeigen, versuchte Papadopoulos im Wahlkampf aktiv, ein Treffen von Vertretern des Teams mit russischen Regierungsvertretern zu arrangieren.

Wie lief der Kontakt zwischen Papadopoulos und den Russen ab?

Ein der russischen Regierung nahestehender Professor sprach Papadopoulos im April 2016 an: "Sie (die russische Regierung; Anm. d. Red.) haben schmutzige Details über sie (Hillary Clinton; Anm. d. Red.)", kündigte der in London lebende Joseph Mifsud an. Papadopoulos war interessiert. Als Teil der Unterstützung für Trump knackten laut Geheimdienstberichten russische Hacker die E-Mail-Konten der Demokraten und veröffentlichten peinliche Mails aus Clintons Wahlkampfteam. Der Professor stellte demnach auch Kontakt zwischen Papadopoulos und Figuren aus dem Umfeld der russischen Regierung her.