Ermittlungen gegen Uli Hoeneß:Hoeneß ist Merkel-Fan - und unfreiwillig SPD-Helfer

Der tiefe Fall des Moralapostels Hoeneß erfährt eine enorme Aufmerksamkeit. Seine eigenen Zockereien waren jetzt Thema in der ARD-Talkshow von Günther Jauch am späten Sonntagabend. 6,7 Millionen Zuschauer. Eine Rekordquote. Den Sozialdemokraten kann das nur recht sein.

Zeit für die SPD-Vorderen, endlich mal Kapital aus ihrer harten Haltung zu schlagen. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel stellt Union und FDP als beste Freunde der Steuerkriminellen dar: "Es zeigt sich, worum es CDU/CSU beim Steuerabkommen mit der Schweiz ging, nämlich Steuerbetrüger sozusagen zu schützen", sagte er im ZDF. "Wir müssen einfach dafür sorgen, dass in unserem Land wieder alle Menschen gleich sind - und nicht die einen brav die Steuern zahlen, und sich die sehr wohlhabenden Menschen davor drücken." Kanzlerkandidat Steinbrück hielt Schäuble im WDR vor, er habe mit dem Steuerabkommen "die Steuerfahndung und die Staatsanwaltschaft in Deutschland massiv schwächen wollen".

Der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin rückt gar Kanzlerin Angela Merkel in die Nähe zu Hoeneß: Der sei "gern gesehener Gast bei Bundeskanzlerin Angela Merkel" und auf CSU-Vorstandstagungen gewesen. "Wir wissen nun, welche Leute Schäuble, Seehofer und Merkel mit dem Schweizer Steuerabkommen schützen wollten: inzwischen geständige Steuerhinterzieher wie Uli Hoeneß."

Merkel sieht sich jetzt offenbar gezwungen, sich von Hoeneß zu distanzieren. Ihren Regierungssprecher Steffen Seibert ließ sie ausrichten: "Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen." Diese Enttäuschung sei umso größer bei jemandem, der für so viel Positives stehe. Jetzt sei eine "andere, traurige Facette hinzugekommen".

Für die Steuerpolitiker aus Union und FDP ist der Fall des ausgesprochenen Merkel-Fans Hoeneß der größte anzunehmende Unfall: Ohnehin unter Verdacht, mit dem Abkommen vor allem ihrer zum Teil wohlhabenden Klientel entgegenkommen zu wollen, klingen ihre Erklärungen jetzt vergleichsweise hohl.

FDP-Chef Philipp Rösler glaubt, das Steuerabkommen hätte erst die Grundlagen geschaffen, dass sich möglichst viele Steuerzahler stellen. "Ohne Abkommen bleibt doch vieles im Dunkeln und wir sind auf Zufälle angewiesen."

Auf Hoeneß, Wurstfabrikant und Werbegesicht der Hypo-Vereinsbank ("Wo sich Geld jetzt wohlfühlt"), trifft der umgekehrte Fall zu. Er habe Selbstanzeige erstattet, gerade weil das Steuerabkommen nicht zustande gekommen sei, sagt er dem Focus. Dessen Herausgeber Helmut Markwort ist übrigens Verwaltungsratsmitglied bei Bayern München. Genau wie Edmund Stoiber, Ehrenvorsitzender der CSU.

FDP-Fraktionszvize Volker Wissing spekulierte, mit dem Steuerabkommen müsste Hoeneß jetzt mehr Steuern nachzahlen. "Das gesamte Konto wäre besteuert worden. Jetzt werden nur die Kapitalerträge besteuert." Was allerdings die Frage aufwirft, warum dann Hoeneß das Steuerabkommen offenbar so sehnlich erwartet hat.

Unionsfraktionsvize Michael Meister findet: "Wenn der Herr Hoeneß nicht zur Staatsanwaltschaft oder zum Finanzamt gegangen wäre und sich selbst angezeigt hätte, dann wüsste davon niemand." Ein schwieriges Argument. Das Abkommen hätte den Steuerkriminellen ja Anonymität geradezu zugesichert. Für die Öffentlichkeit wären sie unbescholtene Bürger geblieben.

Und so wird Uli Hoeneß mutmaßlich ungewollt zum derzeit wichtigsten Wahlkampfhelfer für SPD und Grüne. Das hätte er sich wohl auch nicht träumen lassen.

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Anmerkung der Redaktion: Wie die Leipziger Volkszeitung korrekterweise berichtet, hatte auch Peer Steinbrück in seiner Zeit als Finanzminister Uli Hoeneß in einen Gesprächskreis mit 15 Prominenten eingeladen. Mit dem Gremium, dem auch die damalige Landesbischöfin Margot Käßmann, der SAP-Mitgründer Hasso Plattner sowie der Schauspieler Hannes Jaenicke angehörten, traf sich Steinbrück mindestens zwei Mal im Jahr. Das erste Treffen fand am 20. Dezember 2006 statt. In diese Zeit fiel unter anderem das sich später als untauglich erwiesene Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz. Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, sagte der Leipziger Volkszeitung zu der früheren Berater-Tätigkeit von Hoeneß: "Auch Herr Steinbrück hat jetzt einige Fragen zu beantworten."

© SZ.de/bbr/mikö
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